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Bernard Cazeneuve : Ein Mann für alle Posten

Bernard Cazeneuve soll als Ministerpräsident die letzten Monate der Amtszeit von Präsident Hollande begleiten. Bild: dpa

Bernard Cazeneuve soll dazu beitragen, dass das Ende von Hollandes Amtszeit nicht nur ein zähes Abwarten auf den Auszug wird. Dabei waren beide Männer nicht immer Freunde.

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          Bernard Cazeneuve, der 53 Jahre alte Sozialist, soll sich zunächst gesträubt haben, das Innenministerium zu verlassen und neuer Regierungschef Frankreichs zu werden. Aber seine Loyalität zu Präsident Francois Hollande hat schließlich gesiegt. Fünf Monate lang soll Cazeneuve als Ministerpräsident wirken und dazu beitragen, dass das Ende von Hollandes Amtszeit nicht nur ein zähes Abwarten auf den Auszug wird. Cazeneuve soll auch darüber wachen, dass die angesichts der großen Terrorbedrohung eingesetzte Notstandsgesetze respektiert werden. Das sprach gegen eine Nominierung von in Terrorfragen unerfahrenen Ministerinnen wie Najat Vallaud-Belkacem und Marisol Touraine.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Eigentlich zählte der Mann mit der runden Hornbrille und der Halbglatze, der auch leidlich deutsch spricht, nicht zum Kreis der historischen „Hollandisten“. Cazeneuve gehörte zu den politischen Schützlingen des heutigen Präsidenten des Verfassungsrates, Laurent Fabius. In der Referendumskampagne zum europäischen Verfassungsvertrag  im Mai 2005 verteidigte Cazeneuve wie Fabius das Nein und brachte den damaligen sozialistischen Parteichef Hollande in große Bedrängnis. Die Männerfreundschaft zwischen den beiden begann während des Präsidentschaftswahlkampfes 2012, als Cazeneuve sich als Sprecher verdient machte. Hollande belohnte ihn mit dem Posten des Europaministers. Unvermittelt stieg der diskrete, mit trockenem Humor gesegnete Politiker zu Hollandes Mann für schwierige Missionen auf. Als Haushaltsminister Jerome Cahuzac wegen seiner Schwarzkonten im Ausland gefeuert wurde, musste Cazeneuve einspringen. Nach dem gelungenen Putsch der Bande um Manuel Valls und Arnaud Montebourg gegen Premierminister Jean-Marc Ayrault war wieder Cazeneuve zur Stelle, um den vakanten Innenministerposten zu übernehmen.

          In seine Amtszeit fielen die schlimmsten Terroranschläge seit Kriegsende und ein langer Polizistenstreik.  Das sind Gründe, warum Cazeneuve vom Front National und Teilen der Republikaner unter Beschuss steht. Marine Le Pen nannte ihn einmal „den schlechtesten Innenminister der französischen Geschichte“.

          Den in Senlis bei Paris geborenen Lehrersohn zog es nach einem Jurastudium schnell in die Politik. In der Hafenstadt Cherbourg fand er seine Wahlheimat. Er wurde Bürgermeister und Abgeordneter. Da in seinem Wahlkreis auch die Wiederaufbereitungsanlage von La Hague liegt, entwickelte er eine gewisse Leidenschaft für die Nuklearenergie, die bis heute währt. Eine Abschaltung des Atomkraftwerks Fessenheims in den nächsten fünf Monaten ist mit Premierminister Cazeneuve nicht wahrscheinlicher geworden. Dem Einsatz für die Atomlobby verdankte Cazeneuve früher den Spitznamen „Abgeordneter Areva“. Er war es, der bei der Aushandlung des Regierungsvertrages mit den Grünen verhinderte, dass diese einen Ausstieg aus der Wiederaufbereitung durchsetzen konnten.

          Einblicke in sein Privatleben lässt der Vater von zwei Kindern nur ungern zu. Den ihm unterstellten Polizisten und Gendarmen vertraute Cazeneuve einmal an , dass er kein besonders begabter Autofahrer sei. Seinen Führerschein erwarb er erst spät – weil er seine Frau zur Entbindungsstation bringen musste. Ohnehin hat sich Cazeneuve von der Mode ferngehalten, auch alles Private offenzulegen. Seine Leidenschaft für französische Chansons oder die Gärtnerei behält er für sich. Nach seiner politischen Motivation gefragt, zitiert Cazeneuve gern den ersten sozialistischen Präsidenten François Mitterrand: „Für die Politik braucht man eine Leidenschaft für die Menschen.“

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