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Belgien : Dschihadisten mit Kriegsgerät

Erhöhte Sicherheitsbereitschaft: ein Polizist vor der Kathedrale von Antwerpen Bild: AFP

Die belgische Polizei will mit ihrem Anti-Terror-Einsatz unmittelbar bevorstehende Anschläge verhindert haben. Doch die Gefahr ist nicht gebannt: Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist die Islamisten-Szene in Belgien besonders stark.

          Seit Donnerstagabend gilt in Belgien die zweithöchste von insgesamt vier Sicherheitsstufen. Sie wird ausgerufen, sobald eine akute Gefahr terroristischer Anschläge festgestellt wird. Einen oder mehrere solcher offenbar gegen Polizisten und Polizeiwachen gerichtete Anschläge, so versicherte die oberste Staatsanwaltschaft des Landes am Freitag, hätten Belgiens Sicherheitskräfte mit einer Großrazzia und der Festnahme von 13 Personen am Vorabend vereitelt. Zwei weitere Tatverdächtige wurden im ostbelgischen Verviers bei einem Schusswechsel mit Spezialeinsatzkräften der Polizei getötet. In dem Gebäude wurden anschließend Waffen, darunter vier Sturmgewehre vom Typ AK 47, elektronisches Gerät, hohe Bargeldsummen, aber auch Polizeiuniformen entdeckt.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Ob mit der Großrazzia auch die Gefahr von Anschlägen gebannt ist? Premierminister Charles Michel warnte nach einer Kabinettssitzung, bei der ein schon von den Pariser Anschlägen vorbereiteten Paket verschärfter Sicherheitsvorkehrungen vorgestellt wurde, vor Panik. Er sagte jedoch auch: „Wir wissen, dass es ein Nullrisiko nicht gibt – weder in Belgien noch in anderen Ländern.“

          Das Straßenbild in vielen Städten und Gemeinden des Landes am Freitag scheint diese Erkenntnis zu bestätigen. Vor Polizeiwachen, Gerichtsgebäuden, aber auch Rathäusern sind schwer bewaffnete Patrouillen aufgezogen. Polizisten dürfen fortan nur noch in Begleitung von mindestens einem Kollegen auf Streife gehen. Sie müssen in Zivilkleidung von der Arbeit zurückkehren, dürfen aber künftig die Dienstwaffe auch zuhause bei sich führen. Einige Polizeidienststellen haben die Fotos von Mitarbeitern vorsorglich von den offiziellen Webseiten entfernt. Und an einer Reihe jüdischer Schulen in Brüssel sowie Antwerpen fiel der Unterricht am Freitag komplett aus.

          Die Stadt an der Schelde, in der eine der größten jüdischen Gemeinschaften Europas lebt, zählt traditionell auch eine radikalislamische Szene. Im kommenden Monat soll in Antwerpen das Urteil in einem spektakulären Prozess gegen 45 Syrienkämpfer sowie gegen Faoud Belkacem fallen. Der in Belgien geborene Sohn marokkanischer Einwanderer ist Sprecher der fundamentalistischen Salafistengruppe „Saharia4Belgium“. Im Gegensatz zu den Mitangeklagten, von denen viele flüchtig und andere als Dschihadisten in Syrien oder dem Irak gestorben sind, soll der auch Abu Imran genannte Belkacem selbst nicht in den Nahen Osten gereist sein und daher dort auch keine Waffe in die Hand genommen haben. Für die Anklage steht indes fest, dass Belkacem eine Schlüsselrolle bei der Anwerbung von Dschihadisten in Belgien gespielt hat.

          Auf mehr als 330 wird die Zahl der aus Belgien stammenden „ausländischen Kämpfer“ geschätzt. Rund 100 sollen dorthin zurückgekehrt sein. Bei insgesamt, so schätzen EU-Beamte, 3000 bis 5000 Dschihadisten aus den EU-Ländern entspricht dies einem hohen Anteil. Stark ist der Zulauf von Radikalislamisten in flämischen Städten wie Antwerpen, Mecheln, Vilvoorde sowie der zweisprachigen Hauptstadt. Hingegen gehört die unweit der deutschen Grenze gelegene Stadt Verviers zu den wenigen Hochburgen in Wallonien. Dort sollen nach Angaben von Ermittlern aber zuletzt nicht mehr als sechs bis acht Personen dem Kreis der Dschihadisten zugerechnet worden sein.

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