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Auftrieb für die FPÖ : Ein Pyrrhus-Sieg

FPÖ-Party: Die Chancen, dass der Parteichef H. C. Strache Bundeskanzler wird, sind durch die Niederlage Hofers nicht kleiner geworden. Bild: AFP

Ein Grüner wird Bundespräsident in Österreich. Doch unser Nachbarland steckt mitten in einer blauen Revolution. Die deutschen Volksparteien könnten ebenso ihr blaues Wunder erleben. Denn auch die Deutschen treibt nicht die Freude am Scheitern um, sondern die Angst davor.

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          Halb Österreich atmet auf, ein großer Teil des Berliner Regierungsviertels und vermutlich ganz viele Politiker in Brüssel: Der FPÖ-Kandidat Hofer zieht doch nicht als Bundespräsident in die Wiener Hofburg ein. Er verlor, nachdem er im ersten Wahlgang die Kandidaten der ÖVP und der SPÖ deklassiert hatte, knapp gegen den von einer großen Anti-Hofer-Koalition unterstützten Van der Bellen, der nie eine Chance auf dieses Amt gehabt hätte, wenn Hofer nicht ganz Österreich mobilisiert hätte: die eine Hälfte für sich, die andere gegen sich.

          Der ehemalige Grünen-Vorsitzende Van der Bellen wird nun versuchen, wie es in solchen Fällen heißt, Präsident aller Österreicher zu sein. Doch verband schon seine Unterstützer nur eines: Hofer zu verhindern. Der Hofer-Hälfte gibt der Wahlausgang dagegen Auftrieb. Sie wird ihn als Zeichen dafür sehen, dass das an politischer Auszehrung leidende „Establishment“ nur mit einer letzten verzweifelten Kraftanstrengung (und einem Alt-Achtundsechziger!) den Marsch der FPÖ in die höchsten Ämter der Republik aufhalten konnte.

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          Angst, dass die märchenhaften Pläne zur Integration nicht aufgehen

          Die FPÖ-Gegner innerhalb und außerhalb Österreichs errangen einen Pyrrhus-Sieg: Die Chancen, dass FPÖ-Chef Strache Bundeskanzler wird, sind durch die Niederlage Hofers nicht kleiner geworden. Österreich, das bisher in eine rote und eine schwarze Reichshälfte geteilt war, die durch die ewige große Koalition immer schlechter zusammengehalten wurden, erlebt nicht eine grüne, sondern eine blaue Revolution.

          Haupttriebkraft für den fast erfolgreichen Sturm auf die Hofburg und die noch geplante Übernahme des Ballhausplatzes war die ursprüngliche Politik der Wiener Koalitionsregierung in der Flüchtlingskrise. Die anfängliche „Willkommenskultur“ trieb, wie in Deutschland selbst, den Populisten aus allen Schichten massenweise Wähler zu. Die fühlen sich beim alles beherrschenden Thema Einwanderung von den „Volksparteien“ nicht mehr verstanden, sondern als fremdenfeindliche Dummköpfe verunglimpft, die den „Rattenfängern“ auf den Leim gingen.

          Diese Menschen treibt freilich nicht eine „Freude am Scheitern“ um, sondern die Angst davor: dass die märchenhaften Pläne zur Integration nicht aufgehen. Wenn CDU und SPD das nicht endlich begreifen, dann könnten auch sie noch ihr blaues Wunder erleben – zwar nicht bei der Wahl zum Bundespräsidenten, aber bei der nächsten Bundestagswahl.

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