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Attentäter El-Hussein : Der Facebook-Dschihadist

Omar Abdel Hamid El-Hussein auf dem Bild einer Überwachungskamera vom November 2013. Damals griff er in der Kopenhagener S-Bahn einen Jugendlichen mit einem Messer an. Bild: AP

Auch vor dem Anschlag in Kopenhagen war der Attentäter der Polizei bekannt. Und auch das wussten die Behörden: Der Mann hatte im Gefängnis von einer Reise nach Syrien geträumt. Wer war Omar Abdel Hamid El-Hussein? Eine Spurensuche.

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          Es klingt erschreckend vertraut, was am Montag in Dänemark über den Attentäter bekanntgegeben und erzählt wurde, der in der Nacht zum Sonntag in Kopenhagen zwei Menschen erschossen hatte und dann selbst erschossen wurde. Vieles klingt ähnlich wie nach den Anschlägen auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und die jüdischen Kunden eines koscheren Supermarkts in Paris am 7. Januar: Der mutmaßliche Täter war der Polizei, dem Staatsschutz und dem Geheimdienst bekannt, unter anderem wegen einer noch nicht lange zurückliegenden Gefängnishaft. Ihnen war auch bekannt, dass er sich islamistisch radikalisiert hatte.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Die Attentate in Kopenhagen, so die dänische Polizei, seien von einem 22 Jahren alten Mann verübt worden, der noch bis vor wenigen Wochen eine Gefängnisstrafe verbüßt habe. Nach dänischen Medienberichten war er der Sohn palästinensischer Einwanderer, die aus einem jordanischen Flüchtlingslager nach Dänemark gekommen waren. Ihr Sohn, dessen Name in dänischen Medien als Omar Abdel Hamid El-Hussein angegeben wurde, ist aber in Kopenhagen geboren worden und ging dort auch zur Schule. Mitschüler beschrieben ihn am Montag als aufbrausenden, hitzköpfigen „Judenhasser“, als Einzelgänger, gleichzeitig aber auch als „normalen“, guten Schüler. „Er war ein sehr fleißiger und begabter Schüler, der sich rein fachlich gut geschlagen hat“, wurde der Rektor seiner ehemaligen Schule im dänischen Fernsehen zitiert.

          Messerstiche in der S-Bahn

          Ein ehemaliger Klassenkamerad sagte der Zeitung „Politiken“, El-Hussein habe allerdings keinen Hehl daraus gemacht, dass er Juden hasse. Den Nahost-Konflikt habe er mit großem Interesse, aber auch mit Fanatismus und Aggressivität verfolgt. Aus seinem „Facebook“-Profil soll hervorgehen, dass er Mitglied in mehreren Gruppen war, die Palästinenser unterstützen. Ein anderer Mitschüler sagte, er sei in „wirklich schlechte Gesellschaft geraten“, die unter anderem dazu geführt habe, dass er regelmäßig Rauschgift genommen habe.

          Aus seinem Schulabschluss im „Zentrum für Erwachsenenbildung“ wurde deshalb nichts, damit auch nichts aus dem Studium an der Universität. Vor zwei Jahren, im November 2013, verletzte er in einer Kopenhagener S-Bahn einen Jugendlichen mit mehreren Messerstichen. Zwei Monate später wurde er festgenommen, offenbar war ihm die Polizei nach einem Einbruch auf die Spur gekommen. Vor Gericht soll El-Hussein seine Messerattacke mit seinem Drogenkonsum erklärt haben. Da ihm die Untersuchungshaft auf die Haftstrafe angerechnet wurde, kam er vor zwei Wochen aus dem Gefängnis frei.

          Nicht nur deshalb war der Attentäter der dänischen Polizei und dem Inlandsgeheimdienst PET bekannt. Der junge Mann hatte schon vor seinem Gefängnisaufenthalt Kontakt zu einer Bande im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro, die ihn erst aufnahm, dann aber nach den Worten eines Behördenvertreters „nach kurzer Zeit wieder rausgeworfen hat“. Woher El-Hussein seine beiden mutmaßlichen Helfer kannte, die schon am Sonntag festgenommen wurden, der eine 19 Jahre alt, der andere 22 Jahre, und unter Verdacht stehen, ihm bei der Beschaffung seiner Waffen geholfen zu haben, ist bislang nicht bekannt.

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