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Griechenland : Athen geht Ende März das Geld aus

Viel zu bereden: Griechenlands Ministerpräsident Tsipras (l.) und EU-Parlamentspräsident Schulz am Freitag in Brüssel Bild: AFP

Die griechische Regierung befürchtet nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass die Staatskasse bereits am Monatsende leer ist. Dafür tritt Ministerpräsident Tsipras erstaunlich locker auf.

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          Seit Mitte der Woche ist die Troika wieder am Werk. Zwei Dutzend Fachleute sitzen in einem Athener Hotel. Sie lesen Gesetzentwürfe, wälzen Akten, prüfen Bücher. In die griechischen Ministerien dürfen sie nicht – das wäre der ultimative Gesichtsverlust für Alexis Tsipras, der die Troika abschaffen wollte. Sie heißt neuerdings übrigens „Brüsseler Gruppe“, nicht mehr „die Institutionen“ wie in den vergangenen vier Wochen. Die Experten kommen von der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank, dem Internationalen Währungsfonds und dem Euro-Rettungsschirm. Sie sollen rausfinden, wie lange Griechenland noch flüssig ist.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Tsipras und seine Leute kennen die Antwort offenbar schon: nicht mehr lange, am Monatsende ist das Geld alle. Mit dieser Botschaft warteten die griechischen Delegationsleiter nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auf, als sie ihre Kollegen von der „Brüsseler Gruppe“ am Mittwoch trafen. Am Freitag berichtete Tsipras auch Martin Schulz von seinen Sorgen; er traf den Präsidenten des Europäischen Parlaments in Brüssel. Die EZB solle den Rahmen für kurzfristige Staatsanleihen (T-Bills) um zwei bis drei Milliarden Euro erhöhen, forderte Tsipras. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte Schulz anschließend: „Tsipras braucht dringend Geld. Dafür muss er die Eurogruppe und die EZB von seinem Reformwillen überzeugen, und zwar schon nächste Woche.“

          Denn dann muss Athen zwei Kredittranchen an den IWF zurückzahlen, zusammen fast eine Milliarde Euro. Außerdem muss es 1,6 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, um eine auslaufende Staatsanleihe zu ersetzen. Beides könnte mit Ach und Krach gelingen, glauben Fachleute – obwohl es kaum noch Anleger gibt, die griechische Papiere kaufen. Doch am Monatsende schlägt die Stunde der Wahrheit: Kann die Regierung Renten und Gehälter von Staatsbediensteten voll auszahlen? Wahrscheinlich nicht. Das wäre ein Desaster für Tsipras.

          Daran gemessen, trat der Regierungschef am Freitag in Brüssel erstaunlich gelassen auf. Seine Gesprächspartner fragten sich, ob er den Ernst der Lage verstehe. Schulz und Kommissionschef Juncker redeten auf ihn ein: Tsipras solle diese Woche der Eurogruppe einen Brief schreiben, in dem er sich zu Privatisierungen bekenne, zum Eintreiben von Steuern und zum Aufbau eines Katasterwesens. Tsipras sagte das allgemein zu.

          In dem Gespräch kritisierten sie Finanzminister Varoufakis – in Athen wurde am Samstag über dessen Rücktritt spekuliert. Schulz bekniete Tsipras ferner, er möge seinen rechtspopulistischen Koalitionspartner Anel aus der Regierung werfen. Dessen Chef, Verteidigungsminister Kammenos, stänkerte abermals gegen Deutschland. Kommentar von Schulz: „Der Elefant im Porzellanladen erscheint mir verglichen mit Herrn Kammenos wie ein feinziselierter Diplomat.“

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