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Arabische Touristen in Österreich : Wo sich Kulturen begegnen

Schleier vor Bergwelt: Eine Touristin Anfang August im österreichischen Kaprun Bild: picture alliance / JFK / EXPA /

In Zell am See in Österreich bestimmen sommers Touristen aus der arabischen Welt das Straßenbild. Das gefällt den Gästen und den Wirten – jedenfalls den meisten.

          Die österreichische Kleinstadt Zell am See hat in diesem Jahr sogar in der angelsächsischen Presse Schlagzeilen gemacht. Die Stadt hatte eine Broschüre herausgebracht, die sich speziell an ihre arabischen Gäste richtete, mit Hinweisen auf die Gepflogenheiten in Österreich. Dass man Müll nicht einfach wegwirft, sondern in Abfalleimer fallen lässt, stand darin. Dass man sich im Auto anschnallen muss. Dass man es hier gewohnt ist, einander ins fröhliche Gesicht zu blicken, und dass man sich freuen würde, auch den Gästen ins fröhliche Gesicht zu blicken. Und dergleichen mehr. Titel: „Where Cultures meet“ (Wo sich Kulturen treffen). Das mediale Echo klang mehr nach: „Where Cultures clash“ (Wo Kulturen zusammenstoßen). Je ferner, desto lauter. Die englische Zeitung „Daily Mail“ geißelte die „Tourismus-Apartheit“. Die Tourismusgesellschaft Zell am See-Kaprun, die die Broschüre herausgegeben hatte, zog sie alsbald zurück.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Hat die Region diese mediale Bombe inzwischen verkraftet? Renate Ecker runzelt die Stirn. Diese Metapher hält sie für abwegig. Ecker ist Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft, und im löblichen Gegensatz zu manchen anderen örtlichen Funktionären ist sie bereit, sich zu äußern. Mit der Broschüre habe man die Gäste informieren, Reisetipps geben wollen. So wie man sich selbst ja auch über Sitten und Gebräuche kundig machen würde, wenn man beispielsweise nach China oder Japan fahren würde. Aber da es so viele Missverständnisse gegeben habe, wolle man nun lieber ein anderes Informationskonzept verfolgen in den sozialen Netzwerken zum Beispiel. Und dass man nicht am Fußboden essen soll, müsse eben jeder Hotelier wieder selbst seinen Gästen sagen.

          Sie suchen das, was sie in ihrer Heimat nicht finden

          In unseren Einwanderungsgesellschaften stößt man allenthalben auf die Frage, wie weit von den Hinzukommenden eine Anpassung zu verlangen ist. Die Antwort lautet heute meist: weit. Aber wie ist es bei Touristen, die kommen und gehen und viel Geld dalassen? 245 Euro pro Tag geben beispielsweise Gäste aus Saudi-Arabien aus – das ist doppelt so viel, wie andere Touristen durchschnittlich ausgeben. Mehr als 72.000 Gäste aus dem arabischen Raum hat die Tourismusregion Zell am See-Kaprun im vergangenen Jahr gezählt; die allermeisten von ihnen kommen im Sommer.

          „Where Cultures meet“ oder „Where Cultures clash“? Touristen in Zell am See Bilderstrecke

          Es ist wirklich frappierend, wie sehr sie, auch wenn die Saison sich dem Ende zuneigt, im Straßenbild präsent sind. Da geht eine Gruppe von Frauen, die einen voll verschleiert, andere mit Kopftuch und eleganter Sonnenbrille, in einem Handtaschengeschäft ein und aus. Dort wuselt es im Schwarm einer Großfamilie. Am See promenieren zahlreiche Pärchen – die Männer meist in westlicher Kleidung und oft sorgfältig rasiert. Viele Geschäfte haben Schilder in arabischer Schrift ausgehängt. Was hat all diese arabischsprechenden Menschen hierhergelockt? Hauptsächlich ist es etwas, was sie in der Heimat nicht finden: eine grüne Landschaft, der See, Wasserfälle. Und auf dem nahen Gletscher am Kitzsteinhorn liegt Schnee, selbst im Sommer. All das gibt es auch anderswo in den Alpen, aber kaum so eng beieinander. Eine kurze Autofahrt, zwei Gondeln und ein Sessellift, schon ist man auf zweieinhalbtausend Metern. Auf einer gräulichen Schneezunge ist eine vielleicht dreißig Meter lange Bahn für Plastikrutschen präpariert. Auf Deutsch, Englisch und Arabisch ist sie hochtrabend als „Ice Arena“ ausgeschildert. Und dort schlittern in kindlicher Freude Jung und Alt, was das Zeug hält.

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