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Anschlag auf Zeitschrift : Das Massaker von Paris

Der Anschlag auf Journalisten der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ zielt auf das Herz der Demokratie - die freie Presse. Im Kampf gegen die mutmaßlich islamistischen Terroristen darf es kein Zurückweichen geben.

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          Schwerbewaffnete Männer haben in Paris am helllichten Tag ein Massaker angerichtet. Der Ort ihrer beispiellos dreisten, mörderischen Tat war das Redaktionsgebäude der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, die in der Vergangenheit gerne die großen Religionen verspottet hat, auch und gerade den Islam, und die unmittelbare Nachbarschaft.

          Haben also radikalisierte Muslime, möglicherweise des Typs Einzelgänger, zwölf Menschen ermordet und mehrere andere schwerverletzt, weil sie sich für diese „Zumutung“ (Stichwort Blasphemie) rächen wollten? In jedem Fall zielten sie auf das Institut freie Presse, das für demokratische Gesellschaften essentiell und unabdingbar ist.

          Dass Frankreich das Ziel von Terroristen werden würde, war erwartet worden, nachdem sich die Regierung unter Präsident Hollande dem Kampf gegen die Terrorbande „Islamischer Staat“ angeschlossen hatte und weil Frankreich generell aktiv am Kampf gegen den islamistischen Terrorismus beteiligt ist. In Frankreich leben Millionen Muslime, die nichts mit Islamismus und irgendwelchen Formen von Militanz zu tun haben.

          Nicht wenige aber scheinen radikalen Gruppen Sympathie entgegenzubringen. Beachtlich ist die Zahl der Franzosen muslimischen Glaubens, die als Dschihadisten mittlerweile „Kampferfahrungen“ im Nahen und Mittleren Osten sammelt oder gesammelt haben.

          Mehr als dreitausend „Europäer“ sollen dort auf Seiten islamistischer, terroristischer Gruppen kämpfen. Die französischen Sicherheitsbehörden wussten um die Gefahr, welche die Rückkehrer darstellen; dass die Gefahr die Dimension eines Massakers erreichen würden, kam wohl noch in den schlimmsten Albträumen nicht vor. Die Mörder suchten sich ein sogenanntes weiches Ziel aus – aber das Schlachtfeld umspannt die ganze Welt, reicht von Australien bis Paris.

          In diesem Kampf gibt es kein Zurückweichen; in diesem Kampf müssen die Demokratien und die moderaten islamisch-geprägten Länder zusammenstehen.

          Der Anschlag auf die Pressefreiheit fordert uns auf elementare Weise heraus. Ja, das ist eine Art Kampf der Zivilisationen. Klar ist auch, dass der Massenmord von Paris die innenpolitische Auseinandersetzung in vielen europäischen Ländern befeuern und beeinflussen wird. Hier heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Aber die Gefahr besteht, dass jetzt eine große Gruppe in unserer Gesellschaft unter Verdacht gerät.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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