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Ankara : Islamisten greifen Protestaktion gegen Prüderie an

Küssen, bis die Polizei kommt: Demonstration in Ankara Bild: AP

Mit einem großen Polizeiaufgebot sind die Behörden in Ankara gegen eine Aktion für mehr gesellschaftliche Freizügigkeit in Ankara vorgegangen.

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          Eine als Protestaktion gedachte „Massenküsserei“ in einer U-Bahn-Station in Ankara hat am Wochenende nach türkischen Medienberichten zu Zusammenstößen zwischen angreifenden Islamisten und jungen Demonstranten geführt. Demnach bedrohten die (ausschließlich männlichen) Islamisten junge Paare, die sich aus Protest gegen die aus ihrer Sicht immer stärker um sich greifende und von der Regierung beförderte allgemeine Prüderie in der Türkei öffentlich geküsst hatten. Bei den Übergriffen sei ein Teilnehmer der Protestaktion verletzt worden. Zuletzt hatte es auch Proteste gegen das Vorhaben von Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan und seiner im Islam verwurzelten Regierungspartei AKP gegeben, stärker gegen den Alkoholkonsum in der Türkei vorzugehen.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Über die Vorgeschichte der Zusammenstöße in Ankara gibt es unterschiedliche Darstellungen. Fest steht, dass die lokalen Behörden in der türkischen Hauptstadt die Fahrgäste der Ankaraner U-Bahn in allgemeinen Mitteilungen dazu aufgefordert hatten, „die moralischen Gesetze“ bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu beachten. Ein Sprecher der U-Bahn war mit der Bemerkung zitiert worden, dies sei eine Reaktion auf die Bilder einer Überwachungskamera, die jugendliche Passagiere bei „unangemessenem Verhalten“ in der U-Bahn gezeigt hätten. Über die sozialen Medien hatten sich daraufhin Paare zusammengefunden und sich in der U-Bahn-Station Kurtulus - wo die Überwachungskameras die vermeintlich anstößigen Bilder aufgezeichnet hatten - zu dem ungewöhnlichen Protest verabredet. Die Demonstration stand unter dem Motto „Wir küssen (uns) in der Kurtulus-Metro-Station.“

          Anfrage ans Innenministerium

          Der türkische Staat hatte - für den Fall, dass die Küsserei ausarten sollte - ein Polizeiaufgebot an die Metrostation entsandt. Die Polizisten behielten die Küssenden nach Augenzeugenberichten genau im Auge, schritten aber nicht ein. Zu den Übergriffen kam es nach einem Bericht der Zeitung „Hürriyet“, als einige der Demonstranten dem Ausgang der Metrostation zustrebten, wo sich eine Gruppe von weniger als drei Dutzend Gegendemonstranten versammelt hatte. Die Gegendemonstranten brüllten islamistische Losungen und beschimpften die Küssenden. Ein Parlamentsabgeordneter der oppositionellen Republikanischen Volkspartei CHP richtete am Sonntag eine Anfrage an das türkische Innenministerium zu dem Vorfall.

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