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Merkels Griechenland-Politik : Wenn Mutti zum Telefon greift

Auch beim G-7-Gipfel in Schloss Elmau dürfte die Griechenland-Krise eine wichtige Rolle spielen. Bild: Reuters

Angela Merkel hat sich in die Gefilde des Klein-Kleins der Griechenlandkrise herabgelassen. Sie will Alexis Tsipras retten. Warum nur setzt sie so viel politisches Kapital ein?

          6 Min.

          Neulich in Riga, europäisches Gipfeltreffen. Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, stand mit Alexis Tsipras zusammen, dem griechischen Ministerpräsidenten. Er müsse gleich weg, sagte Tsipras, er treffe sich mit „Angela“. „Mit Angela?“, fragte Schulz zurück. „Wer ist das denn?“ Der Grieche antwortete: „Na, Angela, du weißt schon.“ Schulz: „Ihr duzt euch also!“ Tsipras strahlte. Schulz knuffte ihn mit dem Ellenbogen: „Bist du etwa verliebt?“ Tsipras lachte, ein bisschen verlegen und sehr stolz.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Keine Sorge: Alexis und Angela kuscheln nicht heimlich miteinander. Aber sie haben in den vergangenen Monaten ein ziemlich gutes, sogar herzliches Verhältnis zueinander entwickelt. Obwohl es doch so viel Streit und Ärger gab über das Reformprogramm. Und obwohl immer noch keine Einigung in Sicht ist.

          Ein Spitzenpolitiker, der schon in kleiner Runde mit beiden zusammensaß, sagt: „Merkel findet Tsipras sympathisch. Sie sieht, dass er vor einer unglaublich schwierigen Aufgabe steht und überhaupt keine Regierungserfahrung hat. Sie will ihm helfen.“ Merkel ist sechzig, Tsipras zwanzig Jahre jünger. Hat er ihren Mutterinstinkt geweckt? Gut möglich.

          Natürlich hat das alles nichts mit harter Politik zu tun, mit nationalen Interessen, geostrategischen Erwägungen und so weiter. Aber es spielt eine Rolle – auch politisch –, ob Regierungschefs die Krätze kriegen, wenn sie länger als zehn Minuten zusammen in einem Raum sind, oder ob sie versuchen, sich in den anderen hineinzuversetzen und die Welt mit dessen Augen zu sehen. Es geht um Verständnis, um Vertrauen und um den Willen, eine gemeinsame Lösung für Probleme zu finden.

          Angela Merkel bringt ziemlich viel Verständnis für Tsipras auf, weit mehr als die meisten Deutschen, die CDU-Abgeordneten im Bundestag und Wolfgang Schäuble, ihr Finanzminister. Für Merkel ist Tsipras nicht der populistische Querulant, der von Wirtschaft keine Ahnung hat. Sie betrachtet ihn eher als armen Kerl. In ein paar Monaten soll er all die Reformen durchziehen, vor denen sich die Vorgänger jahrelang gedrückt haben.

          Denn bisher lief es immer so: Bei jeder Überprüfung des Hilfsprogramms wurden die schmerzhaften, die politisch heiklen Strukturreformen aufs nächste Jahr vertagt. Das ging, weil die Zahlen stimmten. Die Wirtschaft kam langsam wieder in Schwung, die Griechen konnten sich sogar wieder Geld für längere Zeit am Markt leihen. Eigentlich hätte das Programm im vergangenen Jahr abgeschlossen werden sollen, aber Antonis Samaras, der konservative Regierungschef, scheute harte Einschnitte und spielte auf Zeit. Jetzt ist er in der Opposition.

          Warum kein Abkommen mit der Schweiz?

          Tsipras kann nichts mehr auf die lange Bank schieben. Er braucht dringend Geld, um die Kredite des Landes zu bedienen – und am Markt kriegt er keinen Cent mehr. Natürlich hat der Mann von linksaußen sich das selbst zuzuschreiben, er hat die Investoren mit radikalen Ankündigungen verschreckt. Merkel könnte schadenfroh sagen: Das kommt davon. Sagt sie aber nicht. Sie glaubt, dass Tsipras jede Menge Fehler gemacht hat – aus Unerfahrenheit.

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