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Merkel auf Balkan-Reise : Alle Blicke richten sich nach Moskau

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Der albanische Ministerpräsident Edi Rama begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit militärischen Ehren in Tirana: „Die Europäische Union braucht den Balkan.“ Bild: AFP

Im Schatten der Griechenland-Krise wird die Bundeskanzlerin in den Ländern des Westbalkans freudig empfangen. Angela Merkel verspricht wirtschaftliche Unterstützung sowie Hilfe in der Flüchtlingspolitik. Doch sie stellt klar: Für einen EU-Beitritt bleibt noch viel zu tun.

          Immer noch, wissen deutsche Albanien-Kenner zu erzählen, hat ein deutscher Politiker im Land der Skipetaren einen Ruf wie Donnerhall: Franz Josef Strauß, der Altmeister der CSU, der Weltpolitiker aus Bayern. Sensationelles wurde einst berichtet: Der Ministerpräsident aus Bayern besuchte das kommunistische Albanien, damals, im Sommer 1984, als der Diktator Enver Hodscha dort einen Personenkult („Volk!Partei!Enver!“) sondergleichen betrieb. Und genau dort tauchte Strauß, der antikommunistischste Antikommunist aller Zeiten, auf. In Bonn war der Wirbel ziemlich groß, und obwohl Straußens CSU-Sprecher versicherten, es handele sich doch um einen rein „privaten“ Besuch, hatten die Regierungsstellen daheim kundzutun, natürlich seien der Bundeskanzler (Helmut Kohl) und der Außenminister (Hans-Dietrich Genscher) vorab informiert gewesen.

          Ob es um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen oder Reparationsforderungen Albaniens gehe, wurde spekuliert. Ob Strauß auch Hodscha treffe, wurde gefragt, und ob er im geheimen Auftrage Kohls unterwegs sei. Und überhaupt – wie er an das Visum gekommen sei. Dreieinhalb Tage war er im Lande unterwegs, mit seinen Söhnen, dem Schwiegervater der Tochter – und, wie es der Zufall so wollte, einem Repräsentanten von Mercedes, welche Firma, noch ein Zufall, auch die beiden Geländewagen stellte. Strauß traf Hodscha nicht, sondern nur einen stellvertretenden Ministerpräsidenten. Für die Autobauer aus Baden-Württemberg sollte sich die Reise lohnen. Die Albaner fanden die Reise großartig. Sie wollten doch mit dem Sowjetimperium nichts zu tun haben. Und sie freuten sich, dass Strauß die „Stabilität“ des Landes lobte. Ein Platz in Tirana trägt den Namen Franz-Josef-Strauß-Platz.

          Die Kanzlerin-Visite als politisches Signal

          Nun also Angela Merkel – ganz offiziell als Bundeskanzlerin – offenkundig ebenso beliebt in Albanien wie Strauß. Nach Gerhard Schröder im Sommer 1999 war es die zweite Visite eines deutschen Kanzlers in Tirana, am Mittwoch immerhin fast fünf Stunden. Doch wurde, weil Schröder im Rahmen einer multilateralen Konferenz in Albanien war, Merkels Besuch als der erste eines deutschen Kanzlers bezeichnet. Groß war also die Freude und der Empfang. Die Stadt geschmückt. Viele Fahnen. Es mag ein politisches Signal sein, dass sie Albanien als erstes Land einer Westbalkan-Reise besuchte.

          Wie einst bei Strauß hat auch Merkels Reise mit Moskau zu tun. Seit längerem beobachtet die Bundesregierung mit Aufmerksamkeit, dass Russland politischen und ökonomischen Einfluss in den Ländern des westlichen Balkan organisieren will. Auch in diesem Zusammenhang scheint Merkel den albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama zu schätzen. Sie hält ihn seit langem für westlich-europäisch orientiert. Seit 70 Jahren war Rama der erste albanische Regierungschef, der Belgrad, dem feindlichen serbischen Zentrum, einen Besuch abstattete.

          Als vor knapp einem Jahr in Berlin eine Konferenz mit Regierungschefs von acht Staaten des westlichen Balkans abgehalten wurde, wurde Rama die Ehre zuteil, zusammen mit Merkel auf einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt aufzutreten, was zwar nichts mit Merkel zu tun hatte, aber als Hervorhebung empfunden wurde. Merkel öffnete dem ehemaligen Basketball-Nationalspieler und Künstler Türen in der Europäischen Union. Dass Albanien jetzt immerhin ein „EU-Beitrittskandidat“ ist, hat auch Merkel veranlasst.

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