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Alarmstufe erhöht : Dschihadisten an spanischen Badestränden?

  • -Aktualisiert am

Im sicheren Hafen: Ein Flüchtling und Mitarbeiter der Küstenwache im Hafen der südspanischen Stadt Almeria Bild: dpa

Die spanischen Behörden haben die Alarmstufe erhöht. Sie sind auf Angriffe des Islamischen Staates gefasst.

          Könnte ein islamistischer Selbstmordattentäter mit einer Kalaschnikow im Sonnenschirm auch an einem spanischen Badestrand landen wie im tunesischen Sousse? Könnte er in einem Schnellboot von Rauschgifthändlern kommen? Fragen wie diese beschäftigen seit dem tunesischen Massaker auch die spanischen Sicherheitsbehörden, insbesondere die Küstenwache. Nur wenige Tage vor dem Attentat von Sousse war der Küstenwache ein mit Drogen beladenes Schiff entkommen. Es landete, aus Marokko kommend, am helllichten Tag an der Playa de La Atunera, in Sichtweite des Felsens von Gibraltar. Die Badenden waren, wie der Online-Dienst „El Confidential Digital“ (ECD) am Donnerstag berichtete, davon nicht einmal sonderlich überrascht. Es war nicht das erste Boot, das dort landete.

          Seit Sousse haben sowohl die spanischen als auch die marokkanischen Sicherheitsbehörden die Alarmstufe wieder erhöht. „Wir dürfen uns hier keinen Fehler erlauben“, zitiert ECD einen hiesigen Beamten. Denn beim „Islamischen Staat“, der unter anderem Andalusien „zurückerobern“ will, müsste man auf alles gefasst sein, auch auf infiltrierte Terroristen in Schlauchbooten von Migranten.

          Noch spielen sich die großen Dramen um Flüchtlinge und illegale Einwanderer vorwiegend vor den italienischen Küsten ab. Aber mit dem warmen und bislang ruhigen Sommerwetter steigt auch der Druck auf Spanien wieder. Der Ansturm auf die nordafrikanischen Enklaven Ceuta und Melilla ist trotz der engen Zusammenarbeit mit Marokko, das dort Grenzen schützen hilft, die es eigentlich nicht anerkennt, unberechenbar. Die Schleuser, die vorwiegend Schwarzafrikaner aus Ländern südlich der Sahara nach Europa bringen, suchen auch immer neue Lücken und Routen in Richtung Kanarische Inseln und über die Straße von Gibraltar. Noch vor dem jüngsten Zwischenfall nahe Sizilien, wo Muslime Christen über Bord warfen, konnte man den Dschihad auf dem Meer beobachten: Die Küstenwache nahm nigerianische Schlepper fest, die nach Aussage von Überlebenden während eines Sturmes, als ihre christlichen somalischen Passagiere zu beten begannen, mehr als ein Dutzend ins Wasser stießen und ertrinken ließen.

          Spanien klagt über mangelnde Hilfe aus Brüssel

          In einem spanischen Wahljahr hat sich indes der Ton der innenpolitischen Debatte über die Migranten schon merklich geändert. Die konservative Regierung unter Ministerpräsident Mariano, die sich ständigen Vorwürfen der Linksparteien wegen angeblicher Verletzungen der Menschenrechte ausgesetzt sieht, machte im Zeichen der „Solidarität“ eine erste Kehrtwende. Waren die Einwanderer während der Finanz- und Wirtschaftskrise zuletzt wegen Sparmaßnahmen von der kostenlosen Gesundheitsversorgung ausgeschlossen worden, so werden sie nun wieder zugelassen. Der Beifall auch der Medien ist einhellig, weil, wie es heißt, die Notaufnahmen, die als Ausweichmöglichkeit benutzt wurden, „hoffnungslos überlaufen“ gewesen seien.

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