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Briten stellen Flüge ein : Im Zweifel für die Sicherheit

Cameron musste sich der Kritik Sisis erwehren. Bild: dpa

Am Abend vor dem Besuch des ägyptischen Präsidenten entscheidet die britische Regierung, die Flüge auf den Sinai einzustellen. Der Verdacht: Eine Bombe ließ den russischen Airbus abstürzen. Woher hat London seine Informationen?

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          Schon Stunden bevor der ägyptische Präsident Abdel Fattah al Sisi in Downing Street 10 eintraf, stauten sich die Demonstranten auf Whitehall, der Regierungsmeile. Sie protestierten dagegen, dass Premierminister David Cameron den Militärherrscher empfängt und Großbritannien Waffengeschäfte mit Ägypten abschließt. Die Regierung in London protestierte ihrerseits: gegen die lauen Sicherheitsstandards, die die Ägypter an ihrem Flughafen in Scharm al Scheich praktizieren. Und die Regierung in Kairo wiederum protestierte – gemeinsam mit Moskau – gegen die britische Entscheidung, den Flugverkehr in den Urlaubsort einzustellen. Es war der Tag, an dem jeder gegen jeden protestierte.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Die Ankündigung, keine Touristen mehr aus Scharm al Scheich mit britischen Flugzeugen ausfliegen zu lassen und auch keine Briten mehr dorthin zu befördern, fiel völlig überraschend am Mittwochabend. Man hätte gerne den „Luxus“ gehabt, die vorliegenden Informationen länger zu prüfen, sagte Außenminister Philip Hammond am Donnerstagmorgen. „Aber wir hatten ein britisches Flugzeug auf der Startbahn, das nach Großbritannien abheben wollte, und wir mussten eine unverzügliche Entscheidung darüber treffen, was im Interesse der Passagiere ist.“

          Ist das nur vorsichtig formuliert, oder versteckt sich darin eine kleine Rückversicherung – für den Fall, dass Whitehall doch allzu alarmistisch gehandelt haben sollte? Was genau die britische Regierung derart in Sorge versetzt hatte, dass sie am Tag vor dem Staatsbesuch Sisis Ägypten implizit zu einem Sicherheitsrisiko erklärte, blieb auch am Donnerstag unklar. Die Rede war von „Geheimdienstinformationen“, die aus den Vereinigten Staaten zu stammen schienen, aber durch den institutionalisierten Austausch auch britische „Erkenntnisse“ waren – oder auch nur Verdachtsmomente.

          Waren abgehörte Telefongespräche, die auf einen geplanten, von Flughafenpersonal vorbereiteten Anschlag hingedeutet haben sollen, die entscheidende Quelle? Hatte es womöglich eine Drohung gegeben? Man habe sich „das gesamte Informationsbild angesehen“, sagte Hammond, und daraus die „erhebliche Möglichkeit“ abgeleitet, dass die russische Passagiermaschine durch einen Terroranschlag zum Absturz gebracht wurde.

          Peinlich für Kairo

          So sicher schien sich der britische Außenminister, dass er sich im Fernsehen sogar auf eine Diskussion über die möglichen Urheber einließ. Er rate zu Vorsicht, sagte er, wo es um eine direkte Zuordnung zu den Terrorbanden des „Islamischen Staates“ (IS) gehe. Diese wiesen eine zu „amorphe Struktur“ auf. „Der Grad, zu dem bestimmte Aktionen zentral vom IS-Hauptquartier in Raqqa gesteuert werden, ist immer fraglich, und darin werden sich Leute zum gegebenem Zeitpunkt vertiefen.“

          London : Cameron hält Bombe an Bord des russischen Flugzeugs für wahrscheinlich

          Das ägyptische Außenministerium warf der britischen Regierung noch vor der Landung des Staatsoberhaupts in London vor, den offiziellen Untersuchungsergebnissen vorzugreifen. Das Urteil und die Entscheidung seien „voreilig“, hieß es in Kairo, wo man sich nicht nur um den Tourismus sorgt, sondern auch um den Ruf als eines Staates, der die internationalen Mindeststandards bei der Flughafensicherung einhalten kann. Dass die britische Regierung nun ein eigenes Team von Fachleuten nach Scharm al Scheich geschickt hat, die bei der Verbesserung der Sicherheitsprozeduren helfen sollen, könne von Kairo nur als „peinlich“ empfunden werden, kommentierte ein britischer Korrespondent in Kairo. Ein ägyptischer Regierungssprecher begründete sein Unverständnis am Donnerstag mit Zahlen und Wahrscheinlichkeiten: Sein Land fertige Millionen von Touristen ab und habe nie einen Absturz dieser Art erlebt. Nach ersten Untersuchungen gehe man nicht von einem Terroranschlag aus.

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