https://www.faz.net/-gq5-811zu

Lettland : Veteranen der Waffen-SS marschieren durch Riga

  • Aktualisiert am

Jedes Jahr am 16. März ziehen lettische Waffen-SS-Veteranen durch Riga. Bild: AP

Im Zweiten Weltkrieg kämpften 140.000 Letten auf Seiten der deutschen Truppen. Veteranen der Waffen-SS zogen nun durch Riga, um der „Lettischen Legion“ zu gedenken. In ihren Augen haben sie gegen die Besetzung ihrer Heimat gekämpft.

          1 Min.

          In Lettland haben Veteranen einer Einheit der deutschen Waffen-SS unter massivem Polizeischutz ihre jährliche Parade abgehalten. Rund 1500 Menschen zogen nach Polizeiangaben am Montag durch die lettische Hauptstadt Riga. Der Aufmarsch wird der von der jüdischen Gemeinde sowie von Russland und der russischsprachigen Minderheit in Lettland scharf kritisiert.

          An der Parade nahmen die letzten Überlebenden der 140.000 Letten teil, die im Zweiten Weltkrieg in der Waffen-SS gegen die Rote Armee gekämpft hatten. Festnahmen gab es nach Polizeiangaben zunächst nicht. Gegendemonstranten hatten sich mit der Polizei darauf geeinigt, erst nach dem Ende der Parade gegen den Faschismus zu demonstrieren. Efraim Zuroff vom Simon-Wiesenthal-Zentrum zur Verfolgung von Nazitätern sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Parade sei „eine große Lüge“ und eine „Verzerrung der Geschichte“.

          Seit der Unabhängigkeit Lettlands 1991 gedenken Veteranen der „Lettischen Legion“ jedes Jahr am 16. März einer Schlacht gegen die Rote Armee 1944, bei der die Legion vergeblich versuchte, den Vormarsch der Sowjettruppen aufzuhalten. Die russische Minderheit und die jüdische Gemeinde kritisieren die Gedenkfeier, da die „Lettische Legion“ Teil der deutschen Waffen-SS war. Die Veteranen dagegen betonen, dass der 1943 gegründete Truppenverband ihre Heimat gegen die abermalige Besetzung durch die Russen verteidigte.

          Die Sowjetunion hatte Lettland 1939 nach dem Hitler-Stalin-Pakt besetzt, mit dem Osteuropa zwischen Berlin und Moskau aufgeteilt wurde. Rund 15.000 Letten wurden nach Sibirien deportiert. Als deutsche Truppen während des Einmarschs in die Sowjetunion 1941 auch Lettland eroberten, wurde die Wehrmacht von Teilen der Bevölkerung als Befreier gefeiert. Die deutschen Besatzer ermordeten jedoch 70.000 der 85.000 Juden des Landes. Im Oktober 1944 eroberte die Rote Armee Riga zurück. Bis 1991 blieb Lettland Teil der Sowjetunion.

          Weitere Themen

          Ein später Lerneffekt

          Regierungsfindung in Thüringen : Ein später Lerneffekt

          Die CDU präsentiert sich durch die nun angekündigte Zusammenarbeit mit Rot-Rot-Grün als Retter von Erfurt. Dabei hat sie die Regierungskrise mitverursacht. Eine Analyse.

          Topmeldungen

          Im italienischen Codogno in der Lombardei sind die Straßen wie ausgestorben: Die Regierung verhängte faktisch eine Ausgangssperre.

          Zwei Tote durch Coronavirus : Codogno ist das italienische Wuhan

          Das italienische Codogno ist derzeit eine Geisterstadt: Im örtlichen Krankenhaus liegt Italiens „Patient eins“. Die Regierung rief alle Menschen auf, zu Hause zu bleiben. Italienische Medien melden einen zweiten Todesfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.