https://www.faz.net/-gpf-a6b13

Provokationen der Türkei : Die EU kommt um Sanktionen nicht herum

Der Sultan: Erdogan warnt die Europäer Bild: AP

Bislang konnte sich Recep Tayyip Erdogan auf die Bundesregierung verlassen. Nun aber könnte es für die Türkei auf harte Sanktionen hinauslaufen.

          1 Min.

          Die Türkei kann weitere schlechte Nachrichten kaum gebrauchen. Die Wirtschaft leidet unter der massiven Abwertung der türkischen Lira, und die Covid-19-Pandemie hat die Türkei in kürzester Zeit unter die am stärksten betroffenen Länder katapultiert. Kämen auch noch EU-Sanktionen hinzu, würde das Land weiter geschwächt. Die Sanktionen rücken aber näher. Möglich werden sie wegen Menschenrechtsverletzungen, immer wahrscheinlicher werden sie wegen der türkischen Provokationen im östlichen Mittelmeer.

          Die Bundesregierung hat sich einer härteren Gangart bislang entgegengestellt – aus gutem Grund. Denn in der Vergangenheit waren Androhungen und symbolische Sanktionen immer wieder verpufft; Erdogan ließ sich nicht von seinem Kurs abbringen. Im Gegenteil führten sie innenpolitisch zu einem Schulterschluss. Für die Bundesregierung wird es jedoch immer schwieriger, Sanktionen zu verhindern, wie sie etwa Frankreich und Griechenland fordern.

          Denn allen Beteuerungen zum Trotz hat die Türkei nichts unternommen, um die Spannungen im Mittelmeer abzubauen oder Reformen einzuleiten, die das Vertrauen in die Justiz des Landes wiederherstellen könnten. Präsident Erdogan hat den Krug der Ankündigungen lange zum Brunnen getragen, bis er nun bricht. Um glaubwürdig zu bleiben, wird die EU nicht um Sanktionen herumkommen. Tragisch dabei ist, dass auch diese am Verhalten Ankaras wenig ändern dürften.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die gegen Corona getragenen Masken helfen auch gegen Infektionen mit dem Grippe-Virus.

          Robert-Koch-Institut : Grippewelle erstmals seit 1992 ausgeblieben

          Nur etwa 500 Menschen in Deutschland infizierten sich im gerade zu Ende gegangenen Winter mit dem Influenza-Virus. In der vergangenen Grippe-Saison hingegen erkrankten 180.000 Menschen. Grund sind die Corona-Maßnahmen und eine erhöhte Impfbereitschaft.
          Der Schriftsteller Philip Roth 2010 in New York

          Wettstreit der Biographen : Die Gegenleben des Philip Roth

          Er wünschte sich eine Biographie, die nicht nur seine Sexualität beschreibt. Drei Jahre nach Philip Roths Tod sind zwei erschienen. Erfüllen sie den Wunsch?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.