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EU-Truppen für Zentralafrika : Mit 1000 Mann nach Bangui

  • Aktualisiert am

Schon vor Ort: Frankreichs Verteidigungsminister Jean Yves-Le Drian inspiziert vergangenen Mittwoch sichergestellte Waffen in der Zentralafrikanischen Republik Bild: REUTERS

In die krisengeschüttelte Zentralafrikanische Republik will die EU offenbar doppelt so viele Soldaten schicken wie bislang geplant. Frankreich stockt seine Truppen schon mal im Alleingang auf.

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          Die Europäische Union erwägt die Entsendung von 1000 Soldaten in die Zentralafrikanische Republik. Das sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Freitag am Sitz der UNO in New York. Bislang war im Zusammenhang mit dem EU-Militäreinsatz in dem von Gewalt und Unruhen erschütterten Land von 500 Soldaten die Rede. Frankreich kündigte an, seine Militärpräsenz um 400 weitere Soldaten aufzustocken.

          „Wir haben mehr als 500 Mann“, erklärte Ashton. Die EU überlege, diese Zahl zu verdoppeln. Es gehe darum, die Ordnung in der Zentralafrikanischen Republik wieder herzustellen. Die EU-Außenbeauftragte äußerte sich nach einer Debatte im UN-Sicherheitsrat über die Zusammenarbeit zwischen Vereinten Nationen und Europäischer Union. Daran nahm auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teil. Er appellierte an die Staatengemeinschaft, Gräueltaten und drohende „ethnische Säuberungen“ in der Zentralafrikanischen Republik zu verhindern.

          UN-Mission möglich

          Der dortige Konflikt könnte Anlass für eine „enge Kooperation“ zwischen UNO, Afrikanischer Union (AU) und Europäischer Union sein, sagte Ban unter Hinweis auf den Militäreinsatz von Frankreich, EU und AU. Ashton sicherte Ban Zusammenarbeit bei einer „gut koordinierten internationalen Operation“ zu, sollte der UN-Sicherheitsrat entscheiden, dass eine „friedenserhaltende UN-Mission die beste Lösung“ sei. In diesem Fall würden die Soldaten der von der Afrikanischen Union angeführten MISCA-Truppe den Vereinten Nationen unterstellt, wozu die AU derzeit nicht bereit ist.

          Über den EU-Militäreinsatz soll nach Ashtons Worten am 27. Februar in Brüssel entschieden werden. Die Truppe namens EUFOR-RCA mit ihrer Einsatzzentrale im griechischen Larissa könne „sehr, sehr schnell“ in der Zentralafrikanischen Republik sein.

          Wer mitmacht, ist noch offen

          Offen ist noch, welche EU-Staaten sich am Militäreinsatz von EUFOR-RCA beteiligen, die sich auf die Hauptstadt Bangui konzentrieren soll. Bisher haben Polen, Estland, Lettland, Portugal und Rumänien eine „substanzielle“ Beteiligung in Aussicht gestellt. Deutschland und Großbritannien wollen keine Soldaten entsenden, die Bundeswehr könnte den Einsatz aber logistisch unterstützen.

          Zuvor hatte Frankreich mitgeteilt, 400 zusätzliche Soldaten in das Krisenland zu entsenden. Diese Kräfte würden die Soldaten umfassen, die später ein Teil des geplanten EU-Militäreinsatzes werden sollen. Das französische Kontingent in der Zentralafrikanischen Republik erhöht sich damit auf insgesamt 2000 Soldaten.

          Frankreich fordert Blauhelme

          Die französische Präsidentschaft rief die Staatengemeinschaft zugleich zu verstärkten Anstrengungen zur Eindämmung der Gewalt und für humanitäre Hilfe in dem Land auf. Von der UNO verlangte Paris, die Entsendung einer Blauhelmtruppe zu beschleunigen.

          Hintergründe des Konfliktes

          Das mehrheitlich muslimische Rebellenbündnis Séléka hatte im März 2013 den Staatschef François Bozizé gestürzt und als Nachfolger Michel Djotodia an die Macht gebracht. Dieser löste Séléka offiziell auf, doch die Milizen sind weiter aktiv. Der Putsch stürzte das Land in eine Spirale der Gewalt zwischen muslimischen und christlichen Milizen, bei denen in den vergangenen Wochen mehr als tausend Menschen getötet wurden.

          Djotodia trat am 10. Januar auf Druck der Nachbarstaaten zurück. Seine Nachfolgerin Catherine Samba Panza hat die Befriedung des Landes zu ihrer vorrangigen Aufgabe erklärt. In Bangui wurden die Séléka-Rebellen größtenteils neutralisiert. Daran beteiligt waren die 1600 französischen Soldaten, die dort Anfang Dezember zusätzlich zu den 5500 MISCA-Soldaten stationiert wurden.

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