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Von griechischen Inseln : EU-Staaten wollen 1600 Kinder aufnehmen

Ein Junge sitzt am Strand des Dorfes Skala Sikamias auf der Insel Lebsos, nachdem er mit einem Beiboot die Ägäis von der Türkei aus überquert hat. Bild: dpa

Eine aus mehreren Staaten bestehende „Koalition der Willigen“ will Kinder aus den überfüllten Lagern und Krankenhäusern aufnehmen. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson spricht von einer „starken Botschaft der Solidarität mit Griechenland“.

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          In der Europäischen Union hat sich eine Koalition der Willigen gebildet, die kranke und unbegleitete Kinder aufnehmen will, die auf griechischen Inseln um Schutz nachsuchen. Zu den bekannten sieben Staaten seien weitere hinzugekommen, sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson nach einer Sitzung der Innenminister in Brüssel. Die Zusagen beliefen sich auf „mindestens 1600 Personen“. Zu klären sei noch, wie das Alter festgestellt werde und wie Corona-Infektionen ausgeschlossen würden. „Ich hoffe, dass die erste Person nächste Woche umgesiedelt werden kann“, sagte Johansson. Es handle sich um eine „starke Botschaft der Solidarität mit Griechenland“.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Nach Informationen der F.A.Z. ist neben Deutschland, Frankreich, Portugal, Finnland, Kroatien, Irland und Luxemburg auch Bulgarien zur Aufnahme bereit. Deutschland will 350 bis 400 Kinder aufnehmen, Frankreich mindestens 300. Die Koalition in Berlin hatte dazu einen gemeinsamen Beschluss herbeigeführt, die Initiative geht auf Innenminister Horst Seehofer (CSU) zurück. Der Beschluss soll nun auf zwei Gruppen angewendet werden. Zum einen ist die Bundesregierung bereit, etwa hundert Kinder aufzunehmen, die auf den Inseln in Krankenhausbehandlung sind; außerdem deren Eltern und Geschwister. Zum anderen will sie einen Teil der unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber aufnehmen, die dort unter katastrophalen Umständen in überfüllten Lagern leben. Sie sollen jünger als 14 Jahre sein; Mädchen werden bevorzugt, weil sie besonders sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind.

          Widersprüchliche Angaben gibt es über die Zahl unbegleiteter Minderjähriger. Während die EU-Kommission die Zahl mit 5500 von 42.000 Migranten auf den Inseln beziffert, spricht die Bundesregierung lediglich von 2000. Ausgewählt werden die Betreffenden vom UN-Flüchtlingshilfswerk und von der Internationalen Organisation für Migration. Nach einem Gesundheitscheck und einer Sicherheitsüberprüfung (bei erwachsenen Angehörigen) sollen sie nach Deutschland geflogen werden und den Flüchtlingsstatus erhalten. Sie werden dann den Jugendämtern jener Kommunen zugewiesen, die sich um die Aufnahme unbegleiteter Minderjähriger beworben haben. Die Kommission will außerdem die freiwillige Rückkehr von 5000 Migranten finanziell fördern, die vor dem 1. Januar auf den Inseln angekommen sind. Im Gespräch ist eine Prämie von bis zu 2000 Euro pro Person.

          Zur Entlastung Griechenlands hat nun auch die EU-Grenzschutzbehörde Frontex ihre Kräfte dort verstärkt. Neben den mehr als 500 Beamten in der Ägäis sind nun auch 100 Beamte aus 22 EU-Staaten an der Landgrenze zur Türkei im Einsatz. Ein weiteres Kontingent in dieser Größenordnung wird gerade auf die Inseln vor der türkischen Küste verlegt.

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