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EU-Lateinamerika-Gipfel : Kein Küsschen für die Kanzlerin

  • -Aktualisiert am

Demonstranten mit einem Transparent Chávez' in Lima Bild: AFP

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez betrachtet den Lateinamerika-Gipfel als Bühne für Aggression und großes Versöhnungstheater. Doch die gewünschte Einladung nach Deutschland bringt ihm sein Schauspiel nicht ein.

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          Hugo Chávez hat schon zugegeben, dass er sich immer wieder zu giftigen Äußerungen hinreißen lasse, die er eigentlich gar nicht von sich geben wolle. Sonst könnte man glauben, alle Auftritte des venezoelanischen Präsidenten seien minutiös inszeniert.

          Allgemeine Empörung war ihm zuletzt entgegengeschlagen, als er Bundeskanzlerin Merkel in die Nähe Hitlers rückte. Doch er goss er mit weiteren Gemeinheiten erst recht noch etwas Öl ins Feuer. Vielleicht war ihm die Bemerkung zu Hitler tatsächlich nur herausgerutscht. Aber irgendetwas polemisches musste er wohl sagen, denn nur so konnte er sich sicher sein, dass seine Annäherungsversuche an die deutsche Politikerin beim fünften EU-Lateinamerikagipfel am Wochenende in Lima die erwünschte Aufmerksamkeit finden würden.

          Keine Einladung nach Deutschland

          Chávez spielte die Rolle des nicht erhörten Liebhabers. Das wurde klar, als er bestätigte, er habe sich bei der Kanzlerin entschuldigt, und überdies vorgab, er habe sie mit Küsschen begrüßt. Davon konnte jedoch keine Rede sein, bestenfalls kam es zu einem artigen Händedruck. Vor allem verriet Chávez seinen geheimen Wunsch: von Angela Merkel nach Deutschland eingeladen zu werden.

          Gute Miene zum bösen Spiel: Chávez und Merkel in Lima

          Doch auch dazu ist es nicht gekommen. Bei fast allen Gipfeltreffen, an denen er bisher teilnahm, hat Chávez Kostproben seines komödiantischen Talents geben. Diesmal trat er versöhnlich auf. Noch etwas pathetischer als die Entschuldigung bei Kanzlerin Merkel ging die Bereinigung des Konflikts mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero über die Bühne. Beide versicherten nach einem ausführlichen Gespräch, dass man sich fürderhin mit Respekt begegnen werde.

          Chávez trug Zapatero auf, den spanischen König Juan Carlos freundlich zu grüßen. Dieser hatte ihn auf dem iberoamerikanischen Gipfel in Santiago de Chile vor einem halben Jahr mit einer spektakulären Geste zum Schweigen aufgefordert. Chavéz war Zapatero zuvor ständig ins Wort gefallen.

          Annäherung zwischen Chile und Bolivien

          Auch die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet und der Bolivianer Evo Morales sind sich beim Frühstück während des Gipfels offenbar wieder ein Stück näher gekommen. Sie wollen im Dauerkonflikt zwischen beiden Ländern um einen „souveränen“ Zugang zum Pazifik für Bolivien den vielen Worten jetzt die ersten Taten folgen lassen.

          Andere Versöhnungsbemühungen blieben erfolglos: Chile streitet weiter mit Peru über den Grenzverlauf im Pazifik. Auch die seit Anfang März unterbrochenen diplomatischen Beziehungen zwischen Ecuador und Kolumbien wurden nicht wieder aufgenommen. Diese Auseinandersetzungen, in die sich Chávez nach Kräften einmischt, scheinen sogar an Schärfe wieder zugenommen zu haben.

          Der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe wirkte auf dem Gipfel isoliert. Er hat weder mit Chávez noch mit dem ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa gesprochen. Chávez will einstweilen mit Uribe überhaupt nicht mehr reden, denn wenn er das tun wollte, müsste er „in einen Sumpf hinabsteigen“. Grund der abermaligen Verstimmung zwischen den drei Präsidenten, die sich auf dem Gipfel der Rio-Gruppe in Santo Domingo eigentlich schon ausgesöhnt hatten, ist die Veröffentlichung eines Interpol-Gutachtens über die Computer von Raúl Reyes, dem Anführer der Guerrilla-Organisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc).

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