Im Koffer des Vaters von Kaili befand sich eine Menge Bargeld. Bild: Matt Chase
Schon seit vielen Monaten war die Polizei einem früheren EU-Abgeordneten wegen Korruption auf der Spur. Dann brachte sie der Zufall unverhofft weiter. Abgeordnete wunderten sich schon lange über das Verhalten von Kaili.
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Am Freitagabend vor einer Woche hatten belgische Ermittler Tränen in den Augen. Vor Freude, wie einer von ihnen später erzählte. Der Tag, den sie fünf Monate lang im Verborgenen vorbereitet hatten, war anders verlaufen als geplant. Nämlich viel besser. Ihnen waren nicht nur Pier Antonio Panzeri ins Netz gegangen, ein früherer Europaabgeordneter, und Francesco G., dessen langjähriger Mitarbeiter. Sondern auch G.s Lebensgefährtin: Eva Kaili, eine der vierzehn Vizepräsidenten und Vizepräsidentinnen des Europäischen Parlaments. Die war eigentlich durch ihre Immunität geschützt, „off limits“ für die Polizei. G. konnten Beamte am Morgen jenes Tages erst festnehmen, nachdem er die gemeinsame Wohnung verlassen hatte, ein paar Schritte vom Brüsseler Sitz des Europäischen Parlaments entfernt. Danach aber geschah etwas, womit sie nicht gerechnet hatten.
Gegen Mittag tauchte ein älterer Herr dort auf. Er verließ das Haus mit einem Rollkoffer und lief zurück zu einem Hotel an der Place Jourdan, zehn Minuten zu Fuß. Das war Kailis Vater. In der Lobby hielten Beamte ihn an, um den Koffer zu kontrollieren: Der war vollgestopft mit Geldbündeln, Scheinen zu 20 und 50 Euro. „Auf frischer Tat ertappt“ nennt man das. In solchen Fällen genießen auch Abgeordnete keine Immunität mehr. Beamte durchsuchten daraufhin Kailis Wohnung, fanden auch dort Taschen voller Banknoten und nahmen sie abends fest. So endete der Tag, der Europa erschüttern sollte und den mutmaßlich größten Korruptionsskandal in der Geschichte des Parlaments ans Licht brachte.
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