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Die EU in der Coronakrise : Über die eigenen Grenzen hinaus

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag im EU-Parlament Bild: AFP

Die EU hat lange gebraucht, um ihre Rolle in der Krise zu finden. Endlich wird intensiv miteinander verhandelt. Wann, wenn nicht jetzt, muss sich die Partnerschaft bewähren?

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          Das hat es auch noch nicht gegeben: zwei Gipfeltreffen im Stundentakt mit einem gemeinsamen, alles andere verdrängenden Thema, der Corona-Pandemie und deren Folgen. Erst kamen am Donnerstag die Führer der G-20-Staaten virtuell zusammen, dann das Leitungspersonal der EU und ihrer Mitgliedstaaten.

          Die Besprechungen waren überfällig. Denn man kann nicht behaupten, dass die internationale und die europäische Reaktion auf Covid-19 bislang beeindruckend oder ausreichend gewesen wären. Zwar ist der Reflex verständlich und naheliegend, zur Abwehr dieser ebenso unbekannten wie unheimlichen Gefahr erst einmal beim eigenen Staat quasi Zuflucht zu suchen. Aber deswegen wird internationale Koordinierung nicht entbehrlich. Schließlich handelt es sich um eine Pandemie und nicht um eine lokale Insektenplage.

          Jetzt geißelt die EU-Kommissionspräsidentin Egoismus und Alleingänge der Mitgliedstaaten, fordert der Bundespräsident mehr europäische Solidarität. Zu Recht. Hat es wirklich erst der Berichte über das bedurft, was sich in Krankenhäusern in Frankreich und Italien abspielt, um Hilfe anzubieten?

          Waren es die wütenden Reaktionen Tausender, die an innereuropäischen Grenzen festsaßen, die ohne Absprache geschlossen worden waren? Oder die „Europa“ beschämenden Bilder von russischen und chinesischen Flugzeugen, die medizinische Güter nach Italien brachten? Jetzt ist etwas in Gang gekommen – endlich. Partnerschaft muss sich in der Not bewähren. Wann denn sonst?

          Davon ist die G 20 weit entfernt, trotz der großen Ausgabenversprechen. Auf dieser Gruppe, aktuell bislang ein Ausfall, lasten viele bilaterale Konflikte und natürlich der chinesisch-amerikanische Streit über Schuld und Verantwortung.

          Ja, wertvolle Zeit ging verloren, weil China den Ausbruch der Epidemie zu vertuschen suchte – die Folgen bilden sich heute in den Statistiken zum Verlauf dieser Seuche ab, auch in den europäischen. Andere zögerten oder verharmlosten wie Präsident Trump das, was auf ihre Länder zukam. Jetzt hat China das Schlimmste hinter sich, anderen steht das womöglich noch bevor.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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