https://www.faz.net/-gpf-a6isn

Fidesz-Politiker bei Sex-Party : Wenn die Sünde zur Tugend wird

Der frühere Europaabgeordnete József Szájer 2017 im Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg Bild: action press

Ein EU-Abgeordneter der Fidesz-Partei wurde bei einer Männer-Sex-Party ertappt. Das war für Viktor Orbán peinlich. Er tritt als Verteidiger der traditionellen Familie auf. Ob es ihm und seiner Partei schadet?

          5 Min.

          Für die Opposition in Ungarn war es ein gefundenes Fressen, als der Politiker der nationalkonservativen Regierungspartei József Szájer Ende November als Teilnehmer einer Männer-Sex-Party in Brüssel ertappt wurde. Zumal die Umstände zu Hohn und Spott einluden. Das Internet quoll alsbald mit „Memes“ über, montierten Bild-Witzen, hauptsächlich mit Anspielungen auf den Fluchtversuch eines spärlich bekleideten Mannes mit Rauschebart vor der Polizei über ein Regenrohr an der Fassade des Hauses, in dem die Party stattgefunden hatte. Inzwischen haben Spaßvögel an dem betreffenden Haus in Brüssel eine Plakette angebracht, auf der steht: „Hier endete die politische Karriere des Fidesz- und EU-Abgeordneten József Szájer, der über dieses Rohr vor den Behörden zu fliehen versucht hatte.“

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Partei- und Regierungschef Viktor Orbán übernahm es selbst, die Konsequenzen zu verkünden: „Was unser Repräsentant József Szájer getan hat, hat keinen Platz in den Werten unserer politischen Familie. Wir werden seine dreißig Jahre Arbeit nicht vergessen oder kleinreden, aber seine Tat ist inakzeptabel und nicht zu verteidigen.“ Folglich habe er mit dem Rücktritt als Abgeordneter und dem Austritt aus dem Fidesz die einzig angemessene Konsequenz gezogen. Kühl schloss Orbán: „Wir haben seine Entscheidung zur Kenntnis genommen.“ Aber was war eigentlich die unentschuldbare Tat? Illegal war die Veranstaltung nicht wegen der Beschäftigung, der die mehr als 20 Teilnehmer nachgegangen sein mögen. Sie verstieß nur gegen das Corona-Versammlungsverbot der belgischen Behörden.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

          Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

          Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.

          Fahrbericht Fiat 500 E Cabrio : Schock verliebt

          Fiat baut den 500 einfach noch einmal. Jetzt aber mit Elektroantrieb, was der Lebensfreude in der Stadt arg zuträglich ist. Dann werfen wir auch noch das Dach zurück, offen gesagt: Bravo.
          Am Ende der Welt: der Checkpoint Kalanchak zur Krim

          Russlands Okkupation : Kein Wasser für die Krim

          Im Donbass wird fast täglich geschossen, um die Krim aber ist es ruhig. Welche Ziele Russland hier verfolgt, verrät ein Blick auf das Asowsche Meer. Eine Reise im Süden der Ukraine.