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Proteste in Eswatini : Unruhen erschüttern die letzte absolute Monarchie Afrikas

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König von Eswati (vormals Swasiland) seit 1986: Mswati III. Bild: AP

Der König soll geflohen, das mobile Internet abgestellt sein: In Eswatini, das bis 2018 Swasiland hieß, fordern Demonstranten eine Abkehr von der absoluten Monarchie.

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          Schwere Proteste erschüttern derzeit das Königreich Eswatini, das die letzte absolute Monarchie auf dem afrikanischen Kontinent ist. Seit mehreren Wochen ist die Stimmung in dem Land, das bis 2018 Swasiland hieß, angespannt. Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag steckten überwiegend jugendliche Demonstranten mehrere Gebäude in Brand. Bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Militär wurden etliche Menschen verletzt. Laut lokalen Berichten soll es auch Tote gegeben haben. „Bewaffnete Helikopter feuerten letzte Nacht Tränengas. Dabei wurden sie von Bodentruppen unterstützt, die auf Demonstranten und Passanten schossen“, zitierte am Dienstag das südafrikanische Portal EWN einen Politiker der Kommunistischen Partei Swasilands. Die Oppositionspartei forderte von Armee und Polizei, auf Gewalt zu verzichten.

          Am Mittwoch gab es nach offiziell zunächst unbestätigten Berichten wieder Schüsse und brennende Fahrzeuge. Die unabhängige Online-Plattform „Swazi News“ veröffentlichte auf Twitter ein Video, in dem zu sehen ist, wie Einsatzkräfte auf fliehende Zivilisten schießen. Auch in anderen sozialen Medien berichteten Einwohner über gewaltsame Zwischenfälle. Eine zuverlässige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich. Auch verlässliche Zahlen, wie viele Menschen sich an den Protesten beteiligen, gab es nicht.

          Im Griff einer dritten Corona-Welle

          Premierminister Temba Masuku erklärte am Mittwoch: „Wir haben Gewalt in verschiedenen Teilen des Landes durch eine renitente Menge erlebt. Dabei wurden Menschen angegriffen, Eigentum zerstört, Geschäfte geplündert und öffentliche Straßen blockiert. Zu den Beschränkungen gehört neben Schulschließungen auch eine nächtliche Ausgangssperre. „Leider wurden die Proteste zuletzt von kriminellen Elementen missbraucht“, so Masuku. „Das kann unter keinen Umständen toleriert werden.“

          Nach offiziell unbestätigten Berichten wurde auch das mobile Internet abgeschaltet. Das bitterarme Land befindet sich gerade im Griff einer dritten Corona-Welle. Nach offiziellen Zahlen wurden seit Beginn der Pandemie knapp 20.000 Infektionen registriert, 678 Menschen starben. Der mit absoluter Macht herrschende König Mswati III. steht immer
          wieder wegen Verschwendungssucht in der Kritik. Politische Parteien sind dort seit 1973 verboten.

          Wo ist König Mswati III.?

          Die Protestierenden fordern politische Reformen, darunter ein Mitspracherecht über den neuen Premierminister und ein Mehrparteiensystem, das auch in der Verfassung von 2005 nicht vorgesehen ist. Der vorherige Regierungschef, Ambrose Dlamini, war voriges Jahr an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Zuletzt waren auch Lehrer und Studenten gegen Polizeibrutalität auf die Straße gegangen, nachdem Sicherheitskräfte einen Studenten im Mai erschossen hatten.

          König Mswati III. soll unbestätigten Meldungen zufolge außer Landes geflohen sein. Die Regierung dementierte dies auf einer virtuellen Pressekonferenz am Dienstag, in der der König allerdings nicht zugegen war. Mehrere Quellen berichteten, er halte sich in Johannesburg auf, andere Beobachter vermuten ihn in Zimbabwe. Das oppositionsnahe Nachrichtenportal Swaziland Solidarity Network will erfahren haben, dass der König sich mit seinem Privatflugzeug vom eswatinischen Flughafen Matsapha abgesetzt habe. Die Grenzübergänge sind offenbar geschlossen.

          Eswatini, ein bergiges Königreich zwischen Südafrika und Mosambik, zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Wiederholt geriet Mswati III. wegen seines autoritären Führungsstils in die Kritik. Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien 1968 hatte sein Vater, König Sobhuza II., das Mehrparteiensystem abgeschafft. Seitdem zerschlägt die Polizei regierungskritische Proteste unter Anwendung strenger Anti-Terror-Gesetze.

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