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„Offensichtlich feindlich“ : Estnischer Konsul vom FSB in Sankt Petersburg festgenommen

Der Sitz des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Sankt Petersburg im Juni Bild: dpa

Der Diplomat soll nach Angaben des russischen Geheimdienstes geheime Materialien von einem Russen bekommen haben. Der Fall stellt eine neue Eskalationsstufe dar.

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          Der russische Geheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben einen Konsul Estlands, Mart Lätte, in Sankt Petersburg festgenommen. Laut der Nachrichtenagentur Interfax, die sich am Dienstagabend auf den FSB berief, wurde der estnische Diplomat „auf frischer Tat ertappt, als er Materialien geheimen Charakters von einem russischen Bürger erhielt“.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der FSB hob hervor, die Handlung des Diplomaten trage „offensichtlich feindlichen Charakter“, gegen Lätte würden dem Völkerrecht entsprechende Maßnahmen ergriffen. Laut der Website des estnischen Generalkonsulats in Sankt Petersburg ist Lätte einer von insgesamt sechs Konsuln dort; die Vertretung unter Generalkonsul Carl Eric Laantee Reintamm hat demnach insgesamt acht Mitarbeiter. Eine Sprecherin des estnischen Außenministeriums bestätigte die Festnahme. Die Anschuldigungen gegen den Konsul seien fabriziert und völlig unbegründet, sagte sie dem estnischen Rundfunk. Der Vorfall sei ein weiteres Beispiel dafür, dass Russland kein Interesse an konstruktiven Beziehungen zu seinen Nachbarn habe.

          Russland hat in den vergangenen Jahren mehrfach westliche Diplomaten ausgewiesen; im Frühjahr traf es Vertreter Deutschlands, Polens und Schwedens, die mit der Behauptung, an Demonstrationen für den inhaftierten Oppositionsführer Alexej Nawalnyj teilgenommen zu haben, des Landes verwiesen wurden. Immer wieder werden zudem westliche Staatsbürger unter Spionagevorwürfen in Russland festgenommen und verurteilt, offenbar mit dem Ziel, sie gegen russische Häftlinge in westlichen Staaten auszutauschen.

          Jüngst mehrere Diplomatenausweisungen

          Allerdings stellt die Festnahme eines Diplomaten eine neue Eskalationsstufe dar. Der Fall Lätte erinnerte am Dienstagabend an die im April ebenfalls in Sankt Petersburg erfolgte Festnahme eines ukrainischen Konsuls, dem der FSB ebenfalls vorwarf, geheime Informationen von einem Russen erhalten zu haben; dieser Diplomat wurde dann aus Russland ausgewiesen. Die Ukraine bezeichnete das Geschehen als Provokation und verwies als Reaktion darauf einen russischen Diplomaten in Kiew des Landes.

          Die Beziehungen Russlands zum EU- und NATO-Mitglied Estland waren in den vergangenen Jahren unter anderem durch den Fall Eston Kohver belastet. Der estnische Grenzbeamte wurde vom FSB im Jahr 2014 von estnischem Staatsgebiet entführt und als NATO-Agent dargestellt; nach russischer Darstellung kam Kohver selbst illegal über die Grenze. Der Este wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, nach einem Jahr Gefängnis aber gegen einen estnischen Geheimdienstler eingetauscht, der für Russland spioniert haben soll.

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