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China und Amerika : Am seidenen Faden

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Kritik am Trump-Kurs wird lauter

Der Bericht stellt keine Ausnahme dar. Auch anderswo wird die Diskussion geführt, ob Amerika auf eine militärische Konfrontation mit China vorbereitet sei. Im „Wall Street Journal“ vertrat ein früherer Marineoffizier, der unter George H.W. Bush ein ranghoher Beamter im Pentagon war, die Auffassung, Washington müsse seine Marinepräsenz im Pazifik erhöhen – und zwar nicht, wie in der Trump-Regierung geplant, in den nächsten Jahrzehnten, sondern jetzt. Der Autor legte freilich auch den Finger in die Wunde der Trump-Administration: Um sich mit China auseinanderzusetzen, bedürfe es einer klugen Geopolitik: So sei es ratsam, Chinas Seidenstraßenprojekt mit einer Einbindung Indiens zu kontern.

Robert Kagan schrieb jüngst in der „Washington Post“ in einem Beitrag unter dem Titel „Schlafwandeln in Richtung Krieg“, Trumps Handelspolitik wäre anders zu bewerten, wäre diese eingebunden in eine große geopolitische Strategie. Aber das Gegenteil sei der Fall: Trump habe mit der Transpazifischen Partnerschaft ein System über Bord geworfen, dass China außen vor gehalten und jene Staaten, die sich von Peking übervorteilt oder gar bedroht fühlten, eingebunden habe. Hinzu kommt, dass der handelspolitische Frontalangriff auf Europa durch Amerika ebenfalls geeignet sein könnte, China zu stärken.

Der Mangel an geopolitischer Staatskunst in der Trump-Regierung wurde bei einem Treffen greifbar, über das dieser Tage die „New York Times“ berichtete. Im Spätsommer 2017 besuchte Stephen Bannon, Trumps bisheriger Chefstratege, wenige Tage, nachdem er das Weiße Haus verlassen musste, Henry Kissinger in dessen Landhaus in Connecticut.

Chinas Präsident darf sich keine Schwäche leisten

Bannon, dem man nicht anmerkt, dass er sich mit den großen Denkern der Neuzeit beschäftigt hat, verbrachte mehrere Stunden bei dem früheren Außenminister und Harvard-Professor. Einziges Gesprächsthema: China. Bannon wird nun mit den Worten zitiert: Kissinger habe seiner Analyse zu hundert Prozent zugestimmt. Seine Schlussfolgerungen habe er allerdings als „zu stumpf“ abgelehnt. Kissinger gelang es vor nunmehr fast fünfzig Jahren, China aus der internationalen Isolation zu locken. Er bereitete den historischen Besuch von Präsident Richard Nixon in China im Jahr 1972 vor, dem ersten eines amerikanischen Präsidenten seit der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949.

Seinerzeit war dies ein Schachzug, um der Sowjetunion zu schaden. Es war aber auch die Voraussetzung für den Aufstieg, den die Volksrepublik seither vollzog. Kissingers Credo heißt Kooperation – allen Widrigkeiten und vermeintlichen Naturgesetzen zum Trotz. Als mäßigende Stimme ist er auch der chinesischen Führung höchst willkommen: Erst vor wenigen Wochen empfing Xi Jinping ihn in Peking. Die Parteipresse berichtete groß: China, die verantwortungsbewusste Macht. Das Gegenteil von Trumps Amerika. Egal, wie das Treffen der beiden Präsidenten am Samstag in Buenos Aires ausgeht. Das wird auch dort die Botschaft Xi Jinpings sein.

Für das heimische Publikum hatte der Parteichef die Antwort auf Amerika in diesem Monat allerdings so formuliert: China sei kein Teich, der von einem Sturm verwüstet werden könne, sondern ein Meer. Einer, der so redet, kann es sich kaum leisten, vor Donald Trump schwach auszusehen.

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