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China und Amerika : Am seidenen Faden

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China wirbt im Silicon Valley Fachkräfte ab

Als Garant gegen eine Eskalation des Konflikts mit Amerika wurde in Peking bis vor kurzem auf die enge wirtschaftliche Verflechtung der beiden Länder verwiesen: die integrierten Lieferketten, Kapital- und Warenströme und auch die engen personellen Verbindungen. Schließlich gehört es in der chinesischen Elite zum guten Ton, die eigenen Kinder auf amerikanische Universitäten zu schicken. Mehr als 350.000 chinesische Studenten lernen derzeit an Hochschulen in den Vereinigten Staaten. Auch Xi Jinpings Tochter hat in Harvard studiert. Ein Neffe des Präsidenten hospitierte bei der Brookings Institution, einem politischen Thinktank.

Umso größer ist die Irritation darüber, dass die Trump-Regierung dem freien akademischen Austausch zuletzt einige Riegel vorgeschoben hat. In sicherheitsrelevanten Forschungsbereichen wurden die Visabeschränkungen erhöht. Und das „Tausend-Talente-Programm“, mit dem China herausragende Forscher aus dem Ausland zurückholt, ist ins Visier des FBI geraten. Dahinter steht Amerikas Kritik an der chinesischen Industriepolitik „Made in China 2025“, mit der das Land in zehn zukunftsträchtigen Technologiesektoren an die Weltspitze vorpreschen will.

Beispiel Künstliche Intelligenz: Sie, so heißt es in einem Strategiepapier des Staatsrats, sei „der neue Fokus des internationalen Wettbewerbs; die Technologie, die die Zukunft beherrscht“. Genau das ist der Anspruch. Dafür wirbt China selbst im Silicon Valley Fachkräfte ab – mit dem Versprechen eines unbegrenzten Zugangs zu Daten. Nun aber sieht sich das Land in seinem Streben nach Technologieführerschaft von Amerika ausgebremst. Der erste Weckruf kam im Mai, als Washington vorübergehend die Lieferung amerikanischer Halbleiter an den chinesischen Telekom-Anbieter ZTE untersagte. Zehntausende Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Xi Jinping propagiert seither Autarkie – und sucht zugleich nach alternativen Technologiepartnern. In Israel, Russland und Europa.

Kongress-Bericht bescheinigt Amerika verkümmerte militärische Fähigkeiten

Auch im Ausland stoßen chinesische Konzerne zunehmend auf Grenzen. Die „Financial Times“ berichtete am Donnerstag, dass eine Delegation der amerikanischen Regierung Deutschland und Großbritannien dazu angehalten habe, chinesische Unternehmen wie Huawei aus Bieterverfahren für das G5-Mobilfunknetz herauszuhalten. Begründung: Spionagegefahr. Peking bemüht sich seinerseits um eine engere Anbindung an Deutschland, auch um zu verhindern, dass Washington ein China-feindliches Bündnis schmieden kann. Chefunterhändler Liu He machte nicht zufällig in Berlin und Hamburg Station, bevor er zum G-20-Treffen nach Buenos Aires weiterflog.

In Washington ist die potentielle Konfrontation mit China auch das bestimmende Thema unter sicherheitspolitischen Fachleuten. Die Frage beschäftigt republikanische Regierungsmitarbeiter genauso wie in Thinktanks geparkte Demokraten. Anfang November legte eine vom Kongress eingerichtete Enquetekommission einen neunzigseitigen Bericht über die amerikanische Verteidigungsfähigkeit vor. Russland und China strebten (regionale) Vorherrschaften an, hieß es darin. Darauf müsse Amerika reagieren.

Die Kommission stellte fest, dass die Vereinigten Staaten im Falle einer umfänglichen militärischen Konfrontation mit Russland oder China nicht über eine ausreichende Zahl an Streitkräften verfüge, um gleichzeitig andere Gegner abzuschrecken. Viele der militärischen Fähigkeiten, die notwendig seien, militärische Operationen dieser Art durchzuführen, seien verkümmert. Um China im westlichen Pazifik zu stellen, bedürfe es etwa der Investition in langstreckenfähige Transportflugzeuge sowie in U-Boote.

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