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Eskalation im Südkaukasus : Kämpfe um Nagornyj Karabach dauern an

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Dieses Bild stammt aus einem Video der selbsternannten Regierung der „Republik Nagornyj Karabach“. Es zeigt angeblich ein bei den jüngsten Gefechten zerstörtes Haus. Bild: AFP

Trotz internationaler Appelle zum Gewaltverzicht gehen die Gefechte weiter. Die von Aserbaidschan verkündete „einseitige Feuerpause“ wertete Armenien als „Falle“.

          Im Konflikt um die Südkaukasusregion Nagornyj Karabach hat das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am Sonntag eine „einseitige Feuerpause“ ausgerufen; man werde nur schießen, wenn man angegriffen werde. Das armenische Verteidigungsministerium wies dies als „Falle“ zurück. Beide Staaten liefern sich am Sonntag weitere Gefechte.

          Der abtrünnigen Region Nagornyj Karabach kommt wegen ihrer Lage in einem Gebiet zwischen Russland, der Türkei und Iran eine strategische Bedeutung zu. Während Ankara in dem Konflikt an der Seite des muslimisch geprägten Aserbaidschans steht, unterstützt Russland das christliche Armenien. Obwohl seit 1994 ein Waffenstillstand gilt, ist die Region im Südkaukasus weiterhin ein Pulverfass.

          Bei den Gefechten waren am Samstag insgesamt mindestens 30 Soldaten und zwei Zivilisten getötet worden. Der Vorfall gilt als die heftigste Eskalation zwischen den früheren Sowjetrepubliken seit dem Waffenstillstand von 1994.

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief die Beteiligten am Samstag (Ortszeit) in New York dazu auf, „die Waffenstillstandsvereinbarung vollständig zu respektieren“. Auch die Vereinigten Staaten, Russland, Frankreich und die EU drangen auf ein Ende der Gewalt.

          Wie aus dem Auswärtigen Amt in Berlin verlautete, sprach auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mit seinem aserbaidschanischen Kollegen Elmar Mammadyarov. Am Dienstag wird demnach der armenische Präsident Sersch Sargsjan zu Gesprächen in Berlin erwartet.

          Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit vielen Jahren um die Region Nagornyj Karabach, die überwiegend von Armeniern bewohnt wird. Proarmenische Rebellen hatten das Gebiet, das zu Sowjetzeiten Aserbaidschan zugeschlagen worden war, Ende der Achtzigerjahre mit Armeniens Unterstützung unter ihre Kontrolle gebracht.

          Im Zuge eines jahrelangen Kriegs zwischen Armenien und Aserbaidschan wurden hunderttausende Menschen vertrieben und schätzungsweise 30.000 Menschen getötet. Im Jahr 1994 wurde ein Waffenstillstand vereinbart; er ist seit Jahren brüchig. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht.

          Völkerrechtlich wird Nagornyj Karabach weiterhin als Teil Aserbaidschans angesehen, Armenien erkennt das aber nicht an. Der UN-Sicherheitsrat hat die Besetzung von aserbaidschanischem Gebiet durch armenische Truppen mehrmals verurteilt. Das erdölreiche Aserbaidschan, dessen Verteidigungsbudget bisweilen höher war als Armeniens gesamter Staatshaushalt, drohte wiederholt damit, Nagornyj Karabach zurückzuerobern.

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