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Eskalation im Nahen Osten : Hizbullah droht Israel mit „offenem Krieg“

  • Aktualisiert am

Eine Rakete trifft die Zahrani-Brücke in Beirut Bild: REUTERS

Nachdem die israelische Armee das Hauptquartier der Hizbullah in Beirut zerstört hat, hat der Chef der schiitischen Miliz Israel in einer Ansprache „den offenen Krieg“ erklärt. Auch teils vehemente internationale Kritik konnte Israel bisher nicht dazu bringen, die Militär-Offensive im Libanon zu beenden. Im Weltsicherheitsrat verteidigte Israels UN-Botschafter die Angriffe.

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          Die israelische Luftwaffe hat am Freitag rund um die Uhr Bombenangriffe gegen Ziele im Libanon geflogen und nach Angaben der Hizbullah-Miliz deren Hauptquartier in Beirut zerstört. Auch das Büro und der Wohnsitz von Hizbullah-Chef Scheich Hassan Nasrallah seien bei dem Angriff getroffen worden, teilte die Miliz mit. Nasrallah und seine Familie seien aber in Sicherheit. Kampfflugzeuge bombardierten außerdem den Flughafen von Beirut und zerstörten Brücken der Fernstraße nach Damaskus. Im Mittelmeer wurde die Seeblockade aufrecht erhalten.

          Nasrallah drohte Israel in einer Ansprache am Freitag abend mit „offenem Krieg“. „Wir bewegen uns auf einen offenen Krieg mit Israel zu“, sagte Nasrallah in einer vom Milizen-Sender Al-Manar ausgestrahlten Ansprache. „Ihr wolltet einen offenen Krieg, und wir sind bereit für einen
          offenen Krieg“, so Nasrallah in der auf Tonband aufgezeichneten Botschaft weiter.„Unsere Häuser werden nicht die einzigen sein, die zerstört werden, unsere Kinder werden nicht die einzigen sein, die sterben!“ Der Hizbullah-Führer drohte mit weiteren Raketenangriffen auf die israelische Hafenstadt Haifa und weiter südlich gelegene Ortschaften. Der von ihm angedrohte Angriff auf ein israelisches Kriegsschiff wurde von einer Sprecherin der israelischen Armee bestätigt. Das Schiff sei „leicht beschädigt“ worden sagte sie.

          Die dramatische Eskalation im Nahostkonflikt kostete bisher mindestens 75 Menschen das Leben, darunter zwölf in Israel. Trotz zunehmender Kritik aus dem Ausland kündigte die israelische Regierung eine Fortsetzung der Angriffe an. Die Offensive werde bis zur Entwaffnung der Hisbollah-Miliz andauern, sagte Ministerpräsident Ehud Olmert am Freitag in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Kofi Annan, verlautete aus dessen Büro.

          Rauch über Feuer über Beirut

          „Sie wissen, daß wir richtig handeln“

          Olmert ließ immerhin die Ankunft eines amerikanischen UN-Teams zu, das vermitteln und einen Waffenstillstand erzielen soll. Präsident George W. Bush sagte dem libanesischen Regierungschef Fuad Saniora zu, daß er Israel bewegen wolle, die Schäden zu begrenzen und die Zivilbevölkerung zu schonen.

          In einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates verteidigte Israel am Freitag sein militärisches Vorgehen im Libanon. Israels UN-Botschafter Dan Gillerman sagte in der offenen Debatte an seinen libanesischen Amtskollegen Nouhad Mahmoud gerichtet: „Sie wissen, daß wir richtig handeln. Wenn wir siegen, wird Libanon am Ende der Nutznießer sein.“

          Mehr als 200 Raketen auf Israel abgefeuert

          Bei den Luftangriffen auf den schiitischen Süden von Beirut wurden am Freitag fünf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt, teilte die libanesische Polizei mit. Damit stieg die Zahl der seit Mittwoch ums Leben gekommenen Libanesen auf 63, die meisten von ihnen einfache Bewohner. Die Luftangriffe auf Beirut waren am Abend mit Flugblättern angekündigt worden.

          Auf israelischer Seite kamen bisher acht Soldaten und vier Zivilpersonen ums Leben, darunter am Freitag eine Mutter und ihr Enkel bei einem Raketenangriff der Hizbullah auf die Stadt Meron. Die Hizbullah feuerte am Freitag wieder mehrere Katjuscha-Raketen auf Siedlungen im Norden Israels. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, sich in die Schutzräume zu begeben. Seit Beginn der Gegenangriffe am Mittwoch wurden nach Angaben von Brigadegeneral Ido Nehuschtan mehr als 200 Raketen aus dem Libanon nach Israel abgefeuert. Dabei wurden 61 Israelis verletzt.

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