https://www.faz.net/-gpf-9uy5w

Eskalation im Irak : Washington schickt Hunderte Soldaten als Verstärkung nach Bagdad

  • Aktualisiert am

Dieses von der amerikanischen Botschaft verbreitete Bild zeigt Soldaten, die Stellung rund um die Botschaft in Bagdad beziehen. Bild: AFP

Nach der Attacke auf die amerikanische Botschaft im Irak senden die Vereinigten Staaten 750 weitere Soldaten. Während Präsident Trump auf Twitter droht, hat sein Außenminister die Schuldigen bereits ausgemacht.

          2 Min.

          An der amerikanischen Botschaft im Irak ist es den zweiten Tag in Folge zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Mehrere Personen seien durch den Einsatz von Tränengas verletzt worden, meldete die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA am Mittwoch. Zeugen berichteten der Deutschen Presse-Agentur, dass Hunderte Demonstranten die Nacht in der Nähe des Botschaftsgelände verbracht hätten. Am Dienstag hatten Demonstranten versucht, den hochgesicherten Botschaftskomplex zu stürmen. Dabei wurden mehrere Wachhäuschen in Brand gesteckt.

          Der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper kündigte am Dienstagabend (Ortszeit) an, dass die Vereinigten Staaten wegen der jüngsten Spannungen im Irak umgehend 750 zusätzliche Soldaten in die Region verlegen wollten. Darüber hinaus stünden weitere Truppen bereit, um in den nächsten Tagen auszurücken, teilte Esper mit. Die Verlegung der Soldaten der 82. Luftlandedivision aus dem Bundesstaat North Carolina sei eine Vorsichtsmaßnahme angesichts der erhöhten Bedrohungslage im Irak. „Die Vereinigten Staaten werden unsere Bürger und Interessen überall auf der Welt schützen“, sagte der Minister.

          Trump: „Ich mag den Frieden“

          Der amerikanische Präsident Donald Trump machte Iran für den Angriff auf die Botschaft verantwortlich und drohte mit Vergeltungsmaßnahmen. Allerdings sagte er auch, dass er nicht mit einem Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Iran rechne. „Ich sehe nicht, dass dies passieren wird“, sagte Trump auf eine entsprechende Reporterfrage in seinem Luxusresort Mar-a-Lago in Florida. „Ich mag den Frieden“, fügte der Präsident hinzu.

          Nur wenige Stunden zuvor hatte Trump gedroht, dass Teheran für mögliche Verluste von Menschenleben oder entstandene Schäden in amerikanischen Einrichtungen „vollständig zur Verantwortung gezogen“ werde. „Sie werden einen sehr hohen Preis zahlen! Dies ist keine Warnung, es ist eine Drohung“, schrieb Trump auf Twitter an die Adresse Teherans. „Frohes Neues Jahr!“, fügte er hinzu.

          Irans oberster Führer bestritt nochmals eine Beteiligung Teherans an den Ausschreitungen vor der Botschaft. „Im Namen des iranischen Volkes und der iranischen Regierung verurteile ich die amerikanischen Angriffe im Irak“, sagte Ajatollah Ali Chamenei am Mittwoch nach Angaben des Staatssenders Irib. Die Anschuldigungen von Präsident Trump wies Chamenei als absurd zurück. „Seien Sie (Trump) doch mal logisch, was Sie ja nicht sind, ... Fakt ist, dass die Völker in dieser Region die Vereinigten Staaten wegen ihrer Verbrechen hassen“, sagte der Ajatollah, der nach der Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen des Landes hat. Die Proteste basieren Chamenei zufolge auf diesem Hass gegenüber den Vereinigten Staaten und haben mit anderen Ländern nichts zu tun.

          Trump wirbt eigentlich damit, die amerikanischen Truppen aus dem Nahen Osten nach Hause bringen zu wollen. Angesichts der Spannungen mit Iran sind zuletzt jedoch 14.000 Soldaten zusätzlich in die Region verlegt worden, unter anderem nach Saudi-Arabien, einem Erzfeind Irans. Iran verfügt im Irak über großen politischen Einfluss und steht damit in Rivalität zu den Vereinigten Staaten. Die amerikanische Regierung geht davon aus, dass Teheran seinen Einfluss auf schiitische Milizen zuletzt gezielt für Angriffe auf das amerikanische Militär genutzt hat.

          Weitere Themen

          Rudy Giuliani verliert wegen Lügen seine Zulassung Video-Seite öffnen

          Trump-Anwalt : Rudy Giuliani verliert wegen Lügen seine Zulassung

          Der Anwalt und ehemalige New Yorker Bürgermeister hatte immer wieder ohne Beweise behauptet, dass Trump aufgrund eines von der Demokratischen Partei organisierten Stimmenraubs um den Sieg über Biden gebracht worden sei.

          Topmeldungen

          „Mist“, das hatte sie doch was vergessen: Annalena Baerbock, hier bei einem Pressetermin im Juni in Berlin.

          Annalena Baerbocks Sprache : Das hat sie nicht auf dem Schirm

          Annalena Baerbock ist Kanzlerkandidatin und jetzt auch Buchautorin. Ihr Werk „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ zeigt, dass die Kunst der geschliffenen Rede ihr nicht zu eigen ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.