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Gefahr für den ESC? : Konflikt zwischen Hamas und Israel eskaliert

  • Aktualisiert am

Aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen werden über Aschkelon vom israelischen Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen. Bild: dpa

Militante Palästinenser feuern Hunderte Raketen auf Israel. Daraufhin bombardiert die israelische Luftwaffe Ziele in dem Küstengebiet. Beiden Seiten beklagen Tote und Verletzte. Islamisten drohen mit Angriffen auf Tel Aviv.

          Der Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen eskaliert gefährlich. In der israelischen Küstenstadt Aschkelon, nördlich des Gazastreifens, wurde nach Polizeiangaben in der Nacht zum Sonntag ein Israeli getötet, als eine aus dem Palästinensergebiet abgefeuerte Rakete sein Wohnhaus traf. Bei Gegenangriffen der israelischen Luftwaffe im Gazastreifen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza seit Samstag mindestens sechs Palästinenser getötet. 47 weitere Palästinenser seien verletzt worden. Unter den Toten seien ein Kleinkind und dessen schwangere Mutter.

          Die israelische Armee wies diese Angaben am Sonntag zurück. Vielmehr seien fehlgeleitete Schüsse der radikalislamischen Hamas für die beiden Todesopfer verantwortlich, schrieb der Armeesprecher Ronen Manelis auf Twitter. „Die Propaganda  der Terrororganisation“ laufe auf Hochtouren. Ein anderer Armeesprecher sagte vor Journalisten, aufgrund von Geheimdiensterkenntnissen sei die Armee „sicher“, dass das Kleinkind und seine Mutter nicht durch einen israelischen Angriff getötet worden seien. Die Armee betonte zudem, sie greife ausschließlich militärische Ziele an.

          Der Islamische Dschihad teilte mit, unter den getöteten Palästinensern seien auch zwei seiner Mitglieder. Die Gruppe bekannte sich zu einem Teil der Raketenangriffe auf Israel und kündigte an, zu weiteren Angriffen bereit zu sein. Der bewaffnete Arm der Gruppe veröffentlichte ein Video, das militante Islamisten mit Raketen zeigte. Sie drohten mit Angriffen auf zentrale Ziele in Israel, darunter den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. In der Küstenstadt soll in neun tagen der internationale Gesangswettbewerb „Eurovision Song Contest“ (ESC) stattfinden. Bisher war Tel Aviv während der jüngsten Runde der Gewalt nicht angegriffen worden.

          In Israel wurden nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom 83 Menschen verletzt, darunter eine 80  Jahre alte Frau, die in Kiriat Gat durch Raketensplitter schwere Verletzungen erlitt.

          Seit Samstag haben militante Palästinenser nach israelischen Militärangaben rund 430 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert. Auch am Sonntagmorgen dauerten die Raketenangriffe an.

          Israelische Bürger inspizieren in Aschkelon den Schaden an einem Gebäude, das von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde.

          Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu wollte seine Minister am Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung versammeln, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Ägypten bemüht sich nach Medienberichten um eine Waffenruhe.

          Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht zum Sonntag abermals Ziele im Gazastreifen an. Am Samstag hatten Kampfflugzeuge unter anderem ein Hauptquartier der dort herrschenden radikalislamischen Hamas-Bewegung sowie mehrere Raketenwerkstätten und Waffenlager zerstört. Israelische Medien berichteten, es seien auch gezielt Wohnhäuser ranghoher Mitglieder der Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad beschossen worden. Insgesamt wurden nach Armeeangaben seit Samstag 200 Ziele im Gazastreifen attackiert. Anwohner bestätigten zudem, dass sich in einem der zerstörten Gebäude das Büro der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu befand. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan verurteilte auf Twitter „den Angriff Israels gegen das Büro der Agentur Anadolu in Gaza scharf“. Anadolu berichtete, das Gebäude sei durch fünf Geschosse der israelischen Luftwaffe zum Einsturz gebracht worden. Die Nachrichtenagentur veröffentlichte ein Video von Trümmern eines Gebäudes. Die Anadolu-Mitarbeiter waren den Angaben zufolge nach einem Warnschuss kurz vor dem Beschuss in Sicherheit gebracht worden. Niemand sei verletzt worden.

          Palästinenser sitzen vor einem von Schutt bedeckten Auto in einem Gebiet, das bei israelischen Luftangriffen getroffen worden ist.

          Der Vorfall könnte die Spannungen zwischen der Türkei und Israel weiter anheizen. Der Angriff auf das Anadolu-Büro sei „ein weiteres Beispiel für die grenzenlose Aggressivität Israels“, schrieb der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu auf Twitter.

          In israelischen Wohngebieten mussten seit Samstag Zehntausende Menschen in Schutzräume flüchten, in den betroffenen Regionen heulten immer wieder die Alarmsirenen. Mehrere Häuser in Ortschaften nahe dem Gazastreifen wurden von Raketen getroffen. Die Schulen in Israels Süden blieben am Sonntag geschlossen.

          Die amerikanische Regierung erklärte sich solidarisch mit Israel und sprach dem Verbündeten die „volle Unterstützung“ aus für dessen „Recht auf Selbstverteidigung gegen diese abscheulichen Attacken“, wie Außenministeriumssprecherin Morgan Ortagus mitteilte. Auch das Auswärtige Amt in Berlin betonte in einem Tweet Israels Recht auf Selbstverteidigung, zeigte sich aber zugleich besorgt über die anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

          Die neue Runde der Gewalt begann, nachdem es am Freitag im Gazastreifen bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten an der Grenze abermals Tote gegeben hatte. Vier Palästinenser wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza getötet, darunter zwei Hamas-Kämpfer. Die militanten Palästinenserfraktionen im Gazastreifen teilten in einer gemeinsamen Stellungnahme mit, man werde den Tod der Palästinenser rächen.

          Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind bei teilweise gewaltsamen Protesten seit März vergangenen Jahres rund 280 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden.

          Israel hält seit mehr als zehn Jahren eine Blockade über den Küstenstreifen aufrecht, die von Ägypten mitgetragen wird. Die Maßnahme wird mit Sicherheitserwägungen begründet. Die Hamas wird von Israel, den Vereinigten Staaten und der EU als Terrororganisation eingestuft.

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