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„Es gab Massaker“ : Behörden: Mehr als 3000 Tote in Südsudan

Die Region Pibor Bild: dpa

In Südsudan sind bei Kämpfen zwischen zwei Volksgruppen nach Behördenangaben in der vergangenen Woche mehr als 3000 Menschen getötet worden. Tausende Menschen sind auf der Flucht.

          Bei den seit einer Woche anhaltenden ethnischen Auseinandersetzungen in Südsudan sollen nach Angaben eines lokalen Landrats mehr als 3000 Personen getötet worden sein. Diese Zahl nannte der Verwaltungschef der Region Pibor in der Provinz Jonglei, Joshua Konyi, am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. In Pibor fanden die schlimmsten Kämpfe statt. „Wir haben die Leichen gezählt: 2182 Frauen und Kinder sowie 959 tote Männer“, sagte Konyi, der von einem „Massaker“ sprach.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Offenbar hatten die Angreifer von der Ethnie der Lou Nuer gezielt jeden Menschen getötet, den sie für ein Mitglied der Ethnie der Murle hielten. Eine Bestätigung der genannten Zahlen liegt noch nicht vor. Die Vereinten Nationen sprechen bislang nur von „möglicherweise Hunderten von Toten“. Nach Worten des Landrats fehlt zudem von mehr als 1000 Kindern jede Spur, und er mutmaßte, diese seien von den Angreifern entführt worden.

          Das einzige funktionierende Krankenhaus in Pibor, das von der französischen Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ betrieben wird, musste seine Arbeit einstellen, nachdem das Personal vor den Angreifern fliehen musste. Die südsudanesische Regierung hat die Provinz Jonglei inzwischen zum Katastrophengebiet erklärt, um Mittel für eine Soforthilfe bereitstellen zu können. Mehr als 100.000 Menschen sollen vor den Kämpfen geflüchtet sein.

          Armee eröffnet Feuer auf Lou Nuer

          Nach Angaben der südsudanesischen Armee ist zumindest die Ortschaft Pibor wieder unter ihrer Kontrolle, die Lage habe sich dort wieder entspannt. Wie es in den Dörfern auf dem Land aussieht, darüber liegen keinerlei Informationen vor. Die Kämpfe in Pibor waren jedenfalls so heftig, dass die südsudanesische Armee das Feuer auf die angreifenden Lou Nuer eröffnen musste. Nach Angaben des Armeesprechers haben die Lou Nuer den Anweisungen der Soldaten, das Gebiet zu verlassen, inzwischen Folge geleistet. Eine Bestätigung dafür liegt allerdings nicht vor.

          Die schweren Kämpfe zwischen der Ethnie der Lou Nuer und der Ethnie der Murle waren vor rund einer Woche ausgebrochen, als mehr als 6000 bewaffnete Lou Nuer auf der Jagd nach Murle in Pibor eingefallen waren. Der Hintergrund soll ein von Murle begangener Viehdiebstahl gewesen sein.

          Auseinandersetzungen um Rinder, die als Statussymbole gelten, sind in Südsudan alltäglich, und Viehdiebstahl gilt bei vielen der Ethnien als Beweis der Männlichkeit. Solche Diebstähle werden über Monate vorbereitet und anschließend generalstabsmäßig ausgeführt, wobei die erbeuteten Herden häufig mehr als 10.000 Tiere umfassen.

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