https://www.faz.net/-gpf-9kkp8

Wegen Missbrauchvertuschung : Erzbischof von Lyon kündigt nach Verurteilung Rücktritt an

  • Aktualisiert am

Das Gericht in Lyon sprach Kardinal Barbarin schuldig, den Priester der Diözese, Bernard Preynat, gedeckt zu haben. Bild: AFP

Lange hatte Kardinal Barbarin beteuert, er sei unschuldig. Nachdem ein französisches Gericht ihn wegen Missbrauchsvertuschung schuldig gesprochen hat, will er den Papst nun um Entlassung bitten.

          Frankreichs höchster katholischer Würdenträger hat nach seiner Verurteilung wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen seinen Rücktritt angekündigt. Er werde den Papst „in einigen Tagen“ aufsuchen und seinen Rücktritt einreichen, kündigte Kardinal Philippe Barbarin am Donnerstag in Lyon an. Ein Gericht hatte den Erzbischof zuvor überraschend zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er Fälle sexueller Übergriffe auf Minderjährige nicht angezeigt habe. Barbarins Anwälte kündigten an, in Berufung zu gehen.

          Ein Gericht in Lyon sprach Barbarin am Donnerstagmorgen schuldig, einen katholischen Priester gedeckt zu haben, der Kinder und Jugendliche missbraucht haben soll. Neben dem Kardinal standen noch fünf weitere Kirchen-Verantwortliche vor Gericht. Das Urteil kommt überraschend, die Staatsanwaltschaft hatte keine Verurteilung gefordert – unter anderem, weil ein Teil der Tatbestände verjährt sei. Barbarins Anwälte haben angekündigt, in Berufung zu gehen.

          „Schweigekartell“ entlarvt

          Der Skandal um den Kardinal reicht in das Jahr 2014 zurück. Ein früherer Pfadfinder aus Sainte-Foy-lès-Lyon, Alexandre Hezez, stellte im Juli 2014 zu seinem Entsetzen fest, dass sein ehemaliger Peiniger, der Priester Preynat, in seiner Gemeinde noch immer im Kontakt mit Kindern stand. Hezez, inzwischen Vater von fünf Kindern, wandte sich in einem vertraulichen Schreiben an Kardinal Barbarin und wurde im November 2014 von ihm zu einem Gespräch empfangen.

          Barbarin versicherte dem Missbrauchsopfer damals, den Fall des Priesters umgehend im Vatikan zu melden. Doch als im darauffolgenden Sommer 2015 Priester Preynat noch immer in Amt und Würden war, schaltete Hezez die Justiz ein. Erste Ermittlungen wurden angestrengt. Weitere Opfer des Priesters meldeten sich, die meisten von ihnen gehörten zwischen 1986 und 1991 den Pfadfindern an und wurden bei Wochenendlagern missbraucht.

          Im August 2016 stellte die Staatsanwaltschaft in Lyon das Verfahren ein, da die meisten Fälle verjährt seien. Der Opferverein strengte daraufhin eine neue Klage an, der die Justiz dieses Mal stattgab. „Wir wollen die Wahrheit über das Schweigekartell wissen“, sagte Hezez beim Prozessbeginn Anfang Januar.

          Den Skandal in der Lyoner Diözese hat der Regisseur François Ozon verfilmt. Sein Werk „Grâce à Dieu“ (Gott sei Dank) erzählt die Vorfälle aus Sicht der Opfer, die Darsteller sprechen teils Texte, die auf realen Dialogen basieren. „Gott sei Dank“ waren die ersten Worte, die der nun verurteilte Kardinal Barbarin sprach, als er hörte, dass die Taten, die dem Lyoneser Priester Bernard Preynat zur Last gelegt wurden, verjährt seien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.