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Erstmals diplomatische Beziehungen : Türkei und Armenien unterzeichnen Versöhnungsplan

  • Aktualisiert am

Ein Handschlag zwischen dem türkischen Außenminister Davutoglu (links) und seinem armenischen Kollegen Nalbandian besiegelt die Annäherung zwischen beiden Ländern Bild: AFP

Die Außenminister der Türkei und Armeniens haben ein Abkommen zur Normalisierung ihrer Beziehungen unterzeichnet. Die Länder wollen ihre seit 1993 geschlossenen Grenzen wieder öffnen und erstmals diplomatische Beziehungen aufnehmen. Das Abkommen muss noch ratifiziert werden.

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          Nach fast einem Jahrhundert der Feindseligkeit haben die Türkei und Armenien am Samstag ein Abkommen zur Normalisierung ihrer Beziehungen unterzeichnet. Damit wird ein Zeitplan zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen festgelegt. Zudem soll die seit 16 Jahren geschlossene Grenze zwischen den Nachbarländern wieder geöffnet werden.

          Die Außenminister beider Länder unterzeichneten das Abkommen in Zürich - allerdings mit mehrstündiger Verspätung. Die amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton hatte in zahlreichen Telefongesprächen zwischen beiden Seiten offenbar erfolgreich vermittelt, nachdem es buchstäblich in letzter Minute zu Unstimmigkeiten wegen der Ansprachen nach der Unterzeichnung gekommen war.

          An der Zeremonie in der Universität Zürich nahmen neben Clinton auch die Außenminister Sergej Lawrow (Russland) und Bernard Kouchner (Frankreich) teil. Auch EU-Chefdiplomat Javier Solana war anwesend.
          Unterzeichnet wurden die Protokolle durch die Außenamtschefs Eduard Nalbandian aus Armenien und seinem türkischen Kollegen Ahmet Davutoglu.

          Illustre Delegation: Sänger Charles Aznavour (Mitte), armenischer Botschafter in der Schweiz

          Die Annäherung war unter Vermittlung der Schweiz und unter diplomatischem Druck der Vereinigten Staaten und der EU zustande gekommen. Die Türkei bemüht sich um eine Aufnahme in die Europäische Union.

          Strittige Punkte werden separat behandelt

          Weiterhin strittig sind allerdings der Umgang mit dem Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs. Auch der Streit zwischen dem mit der Türkei verbündeten Aserbaidschan und Armenien um die Region Berg-Karabach ist nicht vom Tisch. Die Türkei und Armenien hatten ihre Beziehungen 1993 wegen des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach abgebrochen.

          Die Türkei und Armenien hatten Ende August vereinbart, dass zwei Protokolle unterzeichnet werden sollen - über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die Öffnung der Grenze sowie über die Aufarbeitung der Ereignisse des Ersten Weltkrieges durch Historiker. Viele Armenier fordern, dass die Türkei die Massaker von 1915 als Völkermord anerkennt. Die Türkei lehnt dies ab und erklärte mehrfach, es habe auf beiden Seiten viele Tote in jenem Krieg gegeben. Die Protokolle müssen nach der Unterzeichnung noch von den jeweiligen Parlamenten ratifiziert werden. In beiden Ländern droht Widerstand von Nationalisten.

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