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Nach dem Manchester-Anschlag : Wo ist das Leck?

Bei Opfern des Anschlags: Die Queen besucht am Donnerstag verletzte Kinder und Jugendliche in einem Krankenhaus in Manchester. Bild: Reuters

Amerikanischen Medien verbreiten als geheim eingestufte Erkenntnisse über den Anschlag von Manchester. Die Briten sind irritiert, das Verhältnis zu ihrem engsten Verbündeten steht unter Stress.

          Schon am Dienstag war dem Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, anzumerken gewesen, dass er ungehalten war. In dürren Worten bestätigte er vor dem Hauptquartier in Manchester, was amerikanische Zeitungen Stunden zuvor ins Internet gestellt hatten: dass der Selbstmordattentäter Salman Abedi heißt und 22 Jahre alt ist. Noch am Morgen hatte die Premierministerin erklärt, die Identität des Terroristen werde einstweilen nicht der britischen Öffentlichkeit mitgeteilt.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Als die „New York Times“ am Mittwochabend auch noch Ermittlungsfotos veröffentlichte, platzte den Briten der Kragen. „Wut“ habe sich breitgemacht, berichteten britische Journalisten, die gut mit den Sicherheitskreisen vernetzt sind. Noch in der Nacht stellte die Polizei die routinemäßige Weitergabe der Ermittlungsergebnisse an die amerikanischen Behörden ein. Die Durchstechereien an die Medien in Amerika hätten die Ermittlungsarbeit „untergraben“, hieß es in einer Mitteilung der obersten nationalen Polizeibehörde.

          Misstrauen breitet sich aus

          Sicherheitsfachleute sprachen am Donnerstag von einem beispiellosen Vorgang. Die Zusammenarbeit britischer und amerikanischer Sicherheitsbehörden gilt traditionell als vorbildlich und robust. Zusammen mit den englischsprachigen Ländern Kanada, Australien und Neuseeland bilden das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten das „Five Eye“-Quintett, von dessen kooperativer Tiefe in der vielsprachigen EU nur geträumt wird. Nun ist plötzlich Misstrauen im Raum. „Irritiert“ äußerte sich Innenministerin Amber Rudd über die Weitergabe von Informationen an amerikanische Medien. „Das sollte nicht wieder passieren“, sagte sie.

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          Der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, zeigte sich „in hohem Maße beunruhigt“ und teilte mit, dass er dies dem amerikanischen Botschafter ins Gesicht gesagt habe. Den schärfsten Ton schlug Premierministerin Theresa May persönlich an. Kurz bevor sie auf den Nato-Gipfel nach Brüssel reiste, wandte sie sich in einer Fernseh-Ansprache an die Nation und sagte: „Ich werde Präsident Trump klarmachen, dass Informationen, die zwischen den Sicherheitsbehörden ausgetauscht werden, geheim zu bleiben haben.“

          Ermittlungen laufen weiter

          Fachleute wie der frühere Generaldirektor des Royal United Services Institute, Michael Clarke, vermuten, dass vor allem das frühe Bekanntwerden des Namens Abedi den Untersuchungen geschadet haben könnte. Die Veröffentlichung der Fotos – vor allem von Bombenteilen auf blutverschmiertem Boden – sei hingegen eher ein Ärgernis mit geringer Ermittlungsrelevanz. Polizeichef Hopkins betonte die emotionale Seite und sprach von den „Qualen“, die die Fotos bei den Hinterbliebenen ausgelöst haben müssen.

          Die Polizei im Vereinigten Königreich hat eigentlich genug an der Heimatfront zu tun. Es besteht kein Zweifel mehr, dass der Selbstmordattentäter Unterstützung erhalten hat und Teil eines Netzwerks war. Im Mittelpunkt der Ermittlung steht die Frage, wie Abedi an die vergleichsweise komplexe Bombe gekommen ist. Neun Personen hat die Polizei seit Dienstag festgenommen, die meisten in Manchester; eine Frau wurde wieder auf freien Fuß gelassen. Die Festnahmen, sagte Hopkins, seien „bedeutend“ und würden in den kommenden Tagen weitere Razzien nach sich ziehen. Einer der acht Festgenommenen ist Abedis älterer Bruder Ismail, mit dem er in Manchester aufgewachsen ist. Abedis Vater und jüngerer Bruder wurden derweil in Libyen festgesetzt. Ein Teil der Familie war in die Heimat zurückgekehrt, nachdem der libysche Machthaber Muammar al Gaddafi getötet worden war.

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