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Nach dem Manchester-Anschlag : Wo ist das Leck?

Briten stören sich an Soldaten im Straßenbild

Gewöhnen mussten sich die Menschen auch an Soldaten im Straßenbild. Sie sichern seit Mittwoch zentrale Orte in Manchester, aber auch in London. May hatte der Entsendung zugestimmt, nachdem das Sicherheitskabinett die Terrorwarnstufe von „ernst“ auf „kritisch“ erhöht hatte. Damit ist zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder die höchste Stufe erreicht. Definiert wird sie durch eine „unmittelbar bevorstehende Bedrohung“. In einer kurzen Ansprache teilte May am Donnerstag mit, dass die kritische Terrorwarnstufe trotz der „Fortschritte der polizeilichen Arbeit“ einstweilen beibehalten werde. Zugleich forderte sie die Bürger zu Wachsamkeit auf.

Bewaffnete Soldaten im Straßenbild: Viele Briten fühlen sich an die Zeiten der nordirischen Unruhen erinnert.

Zunächst sind an die tausend Soldaten im Einsatz. Ziel der „Operation Temperer“ sei es, die Polizei zu unterstützen und „wichtiges Vertrauen“ herzustellen, sagte May. Vertrauen ist in diesem Zusammenhang ein zweischneidiges Wort, denn der Einsatz von Soldaten im Inland wird von den Briten traditionell mit Unbehagen betrachtet. Schon die Bewaffnung der Polizei ist ein Thema, an dem sich Politiker die Finger verbrennen können. Militäruniformen im Straßenbild rufen zudem unliebsame Erinnerungen an die Zeit der nordirischen Unruhen hervor.

Wahlkampf weiterhin ausgesetzt

Zuletzt hatte der damalige Premierminister Tony Blair im Jahr 2003 Soldaten zur Unterstützung der Polizei gerufen. Grund war, dass ein Terrorangriff auf den Flughafen Heathrow befürchtet wurde. Blair musste sich später den Vorwurf gefallen lassen, er habe überreagiert und versucht, aus der Terrorwarnung politisches Kapital zu schlagen. Soweit geht in diesen Tagen, die unter dem Eindruck eines Massenmordes an Kindern und Jugendlichen stehen, niemand. Oppositionsführer Jeremy Corbyn sagte nur: „Dies sind Entscheidungen, die die aktuelle Regierung zu treffen hat.“

Auch am Donnerstag ruhte der Wahlkampf weitgehend. Nur die Unabhängigkeitspartei Ukip, die schlechte Umfragewerte plagen, nutzte die politische Stille, um ihr Programm für die Wahl am 8. Juni vorzustellen. In Teilen des Publikums wurde es unruhig, als die stellvertretende Parteichefin Suzanne Evans der Premierministerin implizit Mitverantwortung für den Anschlag vorhielt. Evans kritisierte, dass May als Innenministerin die Ausgaben für die Polizei gekürzt, Hassprediger an Universitäten zugelassen und die Einwanderung nicht begrenzt habe. Wenn der Wahlkampf an diesem Freitag wieder für alle einsetzt, dürfte er politisch aufgeladener sein als vor dem Anschlag.

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