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Nach dem Manchester-Anschlag : Wo ist das Leck?

Vater angeblich besorgt über Radikalisierung

Nach Informationen der „Times“ ist der Vater Ramadan Abedi ein Mitglied der militanten „Libysch-Islamischen Kampftruppe“ (LIFG), soll aber die Radikalisierung seines Sohnes mit Sorge beobachtet haben. Ein Familienfreund berichtete der Zeitung, dass der Vater Bekannte im Islamischen Gemeindezentrum von Manchester gebeten hätte, ein Auge auf seinen Sohn zu werfen.

Premierministerin Theresa May gab am Donnerstag bekannt, dass die kritische Terrorwarnstufe weiterhin beibehalten werde.

Der hatte offenbar in den Monaten vor dem Anschlag offen seine Sympathie für den Dschihad kundgetan, sich zunehmend religiös gekleidet und fromme Lieder auf der Straße gesungen. Schließlich habe der Vater den Sohn nach Libyen beordert, um ihn unter Kontrolle zu bekommen, berichtete der Familienfreund. Dort hat Salman Abedi seine Familie angeblich getäuscht und vorgegeben, zur Hadsch nach Mekka zu reisen. In Wahrheit sei das Ziel aber die Manchester Arena gewesen.

Ließ Abedi sich in Syrien militärisch ausbilden?

Wo er in den Tagen vor dem Anschlag gewesen ist und mit wem er Kontakt aufgenommen hatte, wird nun auch in Deutschland ermittelt. In Berlin wurde am Donnerstag ein Bericht der Zeitschrift „Focus“ bestätigt, demzufolge Abedi vier Tage vor dem Anschlag in Düsseldorf gewesen sei. Offenbar hat er aber den Transitbereich des dortigen Flughafens nicht verlassen und flog nach Manchester weiter. Von wo aus er nach Düsseldorf geflogen war, war zunächst unklar. Gemutmaßt wurde, dass er aus dem Nahen Osten gekommen sein könnte. Mindestens einmal zuvor, im Jahr 2015 war Abedi in Deutschland gewesen. Damals wurde er am Frankfurter Flughafen registriert. Zuvor soll er nach Informationen des „Focus“ eine paramilitärische Ausbildung in Syrien durchlaufen haben. Offenbar war er trotzdem nicht im internationalen Fahndungssystem erfasst.

Die Informationen über einen Aufenthalt in Syrien erhöhten am Donnerstag den Druck auf die britischen Sicherheitsbehörden. Die „Times“ hatte am Morgen mit der Schlagzeile „MI5 war gewarnt“ aufgemacht. Nach Informationen der Zeitung hatte sich ein Verwandter Abedis an die britischen Sicherheitsbehörden gewandt und Salman als „gefährlich“ beschrieben. Unter anderem soll der Informant berichtet haben, dass der spätere Attentäter Selbstmordanschläge als „okay“ bezeichnet hatte. Auch einige der nun Festgenommenen sollen dem Inlandsgeheimdienst MI5 schon länger bekannt gewesen sein.

Vorwürfe aus Sicherheitskreisen

„Es ist normal, dass die Öffentlichkeit nach einem Anschlag fragt, ob er nicht hätte verhindert werden können, und normalerweise laut die Antwort ,nein‘“, sagte Michael Clarke, der frühere Generaldirektor des Royal United Services Institute. „In diesem Fall liegen die Dinge aber anders.“ Clarke warf den britischen Sicherheitsbehörden, die an unterschiedlichen Stellen über Informationen verfügt hätten, vor, „dabei versagt zu haben, die Punkte zu verbinden“.

Umso sichtbarer waren am Donnerstag die Anstrengungen der Polizei. Den ganzen Tag über sahen die Bürger Manchesters Sonderkommandos im Einsatz. Zu einem dramatischen Augenblick kam es, als die Sicherheitskräfte einen Großalarm auslösten und ein Gebiet am Rande der Stadt absperrten, wo ein „verdächtiges Päckchen“ entdeckt worden war. Am Mittag gab Polizeichef Hopkins dann Entwarnung und betonte, dass der Vorfall „nicht notwendigerweise“ mit dem Anschlag auf die Manchester Arena in Zusammenhang stehe.

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