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Deutschland und Amerika : Trumps Bluff

Präsident Donald Trump Bild: AP

Die Erpressungstaktik des amerikanischen Präsidenten hat Methode. Sein Amtsvorgänger Richard Nixon nannte das die „Madman Theory“.

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          Donald Trump droht jetzt damit, Amerikas Militäranlagen in Deutschland nach Polen zu versetzen, wenn Deutschland nicht tut, was er will: mehr Geld fürs Militär ausgeben. Das ist nicht überraschend, denn er mag es ja, Bangbüxen zu erschrecken. Dem Nordkoreaner Kim Jong-un hat er zum Beispiel vor zwei Jahren in einem dramatischen Auftritt „Feuer und Zorn“ angedroht, wenn der mit seiner Atomrüstung nicht bald aufhöre.

          Der Präsident erinnert mit dieser Einschüchterungstaktik an einen seinen Vorgänger: Richard Nixon. Der vertrat, wie sein Stabschef Bob Haldeman später berichtete, die sogenannte „Madman Theory“: Verhalte dich so, dass deine Gegner dich für irre halten. Dann werden sie glauben, dass du sie in deiner Wut vernichten wirst, auch wenn das gegen alle Vernunft wäre.

          Trumps Erpressungsversuche gegenüber Deutschland passen zu dieser Taktik genauso wie seine Drohungen gegen Nordkorea oder auch gegen Iran. Die Nordkoreaner und die Perser haben den Trick allerdings durchschaut. Kim Jong-un hat sein Atomarsenal nach dem Feuer-und-Zorn-Ausbruch von 2017 nicht verschrottet. Am Samstag hat er gerade die fünfte Rakete in zwei Wochen abgefeuert, aber immer noch liegt sein Land nicht in Asche. Im Gegenteil, Trump macht ihm den Hof. Kim hat die leere Drohung entlarvt. „He called the bluff“, sagt man in Amerika. Auch die Iraner machen das so. Trump schickt Flugzeugträger an den Golf, aber die Iraner kapern westliche Tanker, als sei das nichts. Sie setzen darauf, dass der Präsident den Irren nur spielt. Sie wissen, dass seine Wähler nicht schon wieder einen teuren amerikanischen Krieg jenseits der Horizonte von Iowa wollen, und sie wissen, dass auch er das weiß. Deshalb glauben sie, dass er nicht durchziehen wird.

          Trump wird nicht durchziehen

          Auch gegen Deutschland wird er nicht durchziehen. Wenn Trump die amerikanischen Truppen auf deutschem Boden, mehr als 50.000 Frauen und Männer, tatsächlich an den Ostrand der Nato schicken wollte, entstünde unabsehbarer Schaden für Amerika. Dass eine so massive Truppenverlagerung an die russische Grenze die Nato-Russland-Grundakte zerstören würde, eines der letzten halbwegs funktionierenden europäischen Sicherheitsabkommen, dürfte ihm vielleicht noch gleichgültig sein. Auch dass so ein Vertragsbruch in der Nato auf Widerstand stoßen und sie am Ende zerstören könnte, ist ihm möglicherweise egal.

          Was ihm aber nicht egal ist, sind die Kosten. Amerikas Stützpunkte in Deutschland sind wertvoll. Über den Flughafen Ramstein gehen die Transporte nach Nahost, Irak und Afghanistan, und in Landstuhl steht das größte amerikanische Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten. Die zentralen Kommandostellen in Stuttgart und Wiesbaden, der Truppenübungsplatz in Grafenwöhr – Milliardenwerte. Trump weiß das. Er ist vielleicht doch kein Irrer, und ganz sicher ist er Geschäftsmann. Er wird dieses Geld nicht ins Feuer werfen. Er wird nicht tun, womit er droht.

          Trotzdem haben seine erpresserischen Drohungen schon Schlimmes angerichtet. Sie zeigen wieder einmal: Auf Amerika ist unter seiner Führung kein Verlass. Alliierte sind Trump egal. Wenn Deutschland und seine Verbündeten in Europa sicher sein wollen, müssen sie sich darauf vorbereiten, für ihre Sicherheit selbst zu sorgen. Sie müssen ihre Streitkräfte besser integrieren, ihre Waffen vereinheitlichen, ihre Rüstungsexporte abstimmen. Und sie müssen fürs Militär mehr Geld ausgeben. Nicht weil Trump das will, sondern weil die Realität das fordert.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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