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Ermordung auf den Philippinen : Terrorgruppe zeigt keine Gnade für deutsche Geisel

Im Kampf gegen Abu Sayyaf richten philippinische Soldaten Checkpoints ein. Bild: Reuters

Seinen Abschied kann Jürgen K. nicht zuende formulieren – die Abu Sayyaf enthaupten ihn mit einem Langmesser. Angeblich war ihnen das Lösegeldangebot nicht hoch genug. Die Ermordung ist ein Rückschlag auch für den philippinischen Präsidenten Duterte.

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          Die Bemühungen der philippinischen Regierung, Jürgen K. mit militärischen Mitteln aus den Fängen der islamistischen Terrororganisation Abu Sayyaf zu retten, haben nicht gefruchtet. Am Montag tauchte ein Video im Internet auf, das die Enthauptung des 70 Jahre alten deutschen Seglers auf der philippinischen Insel Jolo nach mehr als drei Monaten Geiselhaft zeigt. Darin sind zu Beginn die Füße des Opfers zu sehen. Sie sind dünn und stecken in dunklen Plastiksandalen. Dann schwenkt die Kamera und zeigt den ganzen Körper des Opfers. Ein Mann, dessen Gesicht sich außerhalb des Bildausschnitts befindet, hält dem Deutschen von hinten ein krummes Langmesser an den Hals. Es dauert noch einige Sekunden, der Rest des Videos ist dann zu grausam, um ihn zu ertragen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Nur kurze Zeit, nachdem das Video öffentlich geworden war, bestätigte der Präsidentenberater Jesus Dureza die „barbarische Enthauptung“ des Deutschen. Am Nachmittag folgte das Auswärtige Amt in Berlin. Dureza sagte, bis zum letzten Moment hätten viele an der Befreiung der Geisel gearbeitet, auch das Militär. „Wir haben alle unser Bestes getan. Aber es hat nichts genützt“, sagte der Politiker, der wie Präsident Duterte viele Jahre im Süden der Philippinen verbracht hat.

          Ein peinlicher Rückschlag für Duterte

          Regierungstruppen hatten in den vergangenen Wochen mit einer Militäroffensive den Druck auf die Abu Sayyaf und andere Islamistengruppen, die in der Provinz Sulu aktiv sind, erhöht, zuletzt auch mit Luftangriffen und Bodentruppen. Für den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, der gern große Töne spuckt, ist die Enthauptung des Deutschen ein peinlicher Rückschlag. Seine Strategie, den Terroristen mit militärischer Härte zu begegnen, ist nicht aufgegangen.

          Militärisch ist den Abu Sayyaf in ihrem Stammgebiet nur sehr schwer beizukommen. Sie unterhalten enge Verbindungen zur lokalen Bevölkerung. Auch in der lokalen Verwaltung sollen viele heimliche Helfer sitzen. Die Abu Sayyaf („Schwertkämpfer“) werden zudem durch das schwierige Terrain aus Dschungel und Bergen geschützt.

          Ganz anders war deshalb auch die Vorgängerregierung des früheren Präsidenten Bengigno Aquino vorgegangen, nachdem im April 2014 schon einmal ein deutsches Seglerpaar von den Islamisten im Süden der Philippinen entführt worden war. Die Aquino-Regierung hatte sich damals militärisch zurückgehalten, offenbar auch auf den ausdrücklichen Wunsch der Deutschen. Das Paar war nach einem halben Jahr freigekommen. Damals soll ein hohes Lösegeld gezahlt worden sein. Das wurde aber nie offiziell bestätigt, da die deutsche wie die philippinische Regierung offiziell eine „No-Ransom-Policy“ verfolgen, die Zahlung von Lösegeld also grundsätzlich ablehnen.

          Über die Lösegeldfrage äußerte sich die Bundesregierung – wie in solchen Fällen üblich – nicht. Lokale Berichte darüber gibt es hingegen. Jürgen K. soll demnach am Sonntag gegen 15.30 Uhr Ortszeit im Bezirk Indanan auf Jolo hingerichtet worden sein. Um 15 war das Ultimatum der Terroristen abgelaufen. Die Entführer hatten verlangt, dass bis dahin ein Lösegeld in Höhe von 30 Millionen Peso (570.000 Euro) gezahlt werden sollte. Octavio Dinampo, ein ehemaliges Entführungsopfer mit guten Kontakten in der Region, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, es habe zwar ein Lösegeld-Angebot an die Terroristen gegeben, dieses sei aber nicht ausreichend gewesen.

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