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Ermordeter Lehrer Samuel Paty : Abschied von einem „Helden der Republik“

Im Garten der Sorbonne: Emmanuel Macron erweist Samuel Paty die letzte Ehre Bild: Reuters

Emmanuel Macron würdigt in der Sorbonne den von einem Terroristen brutal ermordeten Lehrer Samuel Paty. Frankreich ist erschüttert. Doch viele sind der Trauerfeiern überdrüssig – und wollen konkrete Schutzmaßnahmen.

          4 Min.

          Frankreich hat am Mittwochabend dem von einem Terroristen ermordeten Lehrer Samuel Paty die letzte Ehre erwiesen. Bei einer Trauerfeier in der Universität Sorbonne würdigte Präsident Emmanuel Macron den Pädagogen vor dem aufgebahrten Sarg als Helden und als „Gesicht der Republik“, der hunderte von jungen Menschen zu verantwortungsvollen Bürgern geformt habe.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Die Islamisten haben ihn getötet, denn sie wollen unsere Zukunft. Doch mit ruhigen Helden wie ihm werden sie diese nie haben“, sagte Macron. Paty sei ermordet worden, „weil er sich für die Lehre entschieden hatte, weil er jungen Leute Pflichten und Freiheiten lehrte“. Er sei einer jene Lehrer gewesen, die man nie vergesse, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern „die einer Existenz eine Richtung geben können“. Er lehrte den Respekt vor den anderen, die Größe des Denkens, der Zivilisation und auch die Toleranz. Auch den Koran habe er gelesen.

          „Viele sind erschüttert, verletzt und wütend“

          Für seine Ansprache hatte Macron bewusst die Jahrhunderte alte Sorbonne als Ort der Lehre, der Wissenschaft und des kritischen Denkens ausgesucht; er sprach im Ehrenhof der Universität neben den Statuen von Victor Hugo und Louis Pasteur. Seine Rede war somit auch eine Hymne auf den Beruf des Pädagogen. Viele Lehrer in Frankreich fühlen sich nicht genügend anerkannt; das fängt bei der Bezahlung an und reicht bis zur allgemeinen Wertschätzung. Macron betonte, dass die Lehrer ein Fundament der Republik, der Zivilisation und damit der Freiheit seien. Er versprach, das Werk von Paty fortzusetzen und die Lehrer mit aller Kraft zu unterstützen und zu schützen.

          Paris: Die Lichter des Eiffelturms sind während einer landesweiten Gedenkveranstaltung für den ermordeten Lehrer Samuel Paty ausgeschaltet.
          Paris: Die Lichter des Eiffelturms sind während einer landesweiten Gedenkveranstaltung für den ermordeten Lehrer Samuel Paty ausgeschaltet. : Bild: dpa

          Von seinen Maßnahmen gegen den Terror sprach Macron dagegen nicht. Das sei nicht der Moment. Er sagte lediglich, dass die erforderlichen „Aktionen beschlossen seien, sie werden verschärft und wir führen sie bis ans Ende“.

          Der brutale Mord an dem Lehrer hat Frankreich aufgewühlt. Denn mit dem Angriff auf einen Lehrer ist die Schule als zentraler Baustein der Republik und damit der französischen Nation getroffen worden. Die Bürger der Kleinstadt Conflans-Sainte-Honorine, wo Paty von einem jungen Tschetschenen enthauptet worden war, hatte am Dienstagabend einen Schweigemarsch abgehalten. Tausende machten sich auf, um in aller Stille von seiner Schule zum „Platz der Freiheit“ zu marschieren.

          Kaum einer hatte Transparente oder Schilder mitgebracht. Dezent hatten manche das Wort „Liberté“ oder „Je suis Samuel“ auf ihre Maske geschrieben. Das einzige akustische Signal war das Klatschen der Bürger, das sich wie eine Welle immer wieder spontan über den Trauerzug ausbreitete. An der Place de la Liberté hielt dann nur der Bürgermeister der 35.000-Einwohner-Stadt, Laurent Brosse, eine kurze Ansprache. Danach harrten viele Bürger noch aus. „Viele sind erschüttert, verletzt und wütend“, sagte Brosse.

          Sofortmaßnahmen angekündigt

          Die Trauerstimmung hat freilich nicht alle Franzosen erfasst. Immer mehr kritische Stimmen kommen zu Gehör, die angesichts der zahlreichen Attentate der vergangenen Jahre einen Überdruss zum Ausdruck bringen. „Mit Blumen und Kerzen hat noch niemand einen Krieg gewonnen“, ließ zum Beispiel François-Xavier Bellamy wissen, ein Europaabgeordneter, der bei den jüngsten Europawahlen das bürgerlich-konservative Lager anführte. Auch im linken Lager sind solche Töne jetzt zu hören.

          Präsident Macron und seine Regierung haben denn auch eine Reihe von Sofortmaßnahmen angekündigt, mit denen sie jeden Vorwurf der Schwäche von sich weisen wollen. Am Dienstag saß der Präsident im Pariser Vorort Bobigny einer Sitzung einer staatlichen Einheit „gegen Islamismus und kommunitaristische Abschottung (CLIR)“ persönlich vor. Solche Einrichtungen, die oft verschiedene Behörden und Verwaltungseinheiten zusammenführen, gibt es in Frankreich in großer Zahl.

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