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Ermittlungsbericht erwartet : Wer hat MH17 abgeschossen?

  • -Aktualisiert am
Internationale Fachleute untersuchen Anfang August Trümmerteile des Wracks von MH-17 nahe Grabovo

Die Niederlande hatten die Leitung der Ermittlungen im Falle MH17 am 23. Juli auf Bitten der ukrainischen Regierung übernommen. In unterschiedlichem Umfang sind an der Untersuchung auch die Ukraine, Malaysia, Australien, Russland, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich, Italien und Indonesien beteiligt.

Auch die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) und die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) unterstützen nach Informationen des Niederländischen Sicherheitsrates die Ermittlungen. Der Flugschreiber (die Blackbox) war zu einer ersten Analyse zu Experten nach Großbritannien gebracht worden. Separatisten hatten sie zunächst an das Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee der GUS-Staaten mit Sitz in Moskau übergeben wollen. Dieses hatte jedoch sogleich darauf verwiesen, dass im gegebenen Falle internationale Organe die Untersuchung übernehmen sollten.

Moskau: Informationen werden bewusst zurückgehalten

Die russische Regierung zeigt sich mit dem Fortgang der Ermittlungen allerdings ausgesprochen unzufrieden. Moskau beschuldigt die Ukraine, die Vereinigten Staaten, die Europäische Union, die Nato und auch die niederländischen Ermittler, Informationen bewusst zurückzuhalten und die wahren Hintergründe der Katastrophe zu verschleiern. Außenminister Sergej Lawrow sagte kürzlich, nur Russland allein sei offenbar noch an einer Aufklärung interessiert. Bei einem Auftritt vor Studenten der Moskauer staatlichen Hochschule für internationale Beziehungen Anfang September fragte Lawrow, warum die Ermittler die Daten des Flugschreibers, die Sprachaufzeichnungen aus dem Cockpit und die Kommunikation der Piloten mit den Fluglotsen am nahegelegenen Flughafen Dnipropetrowsk nicht längst vollständig öffentlich gemacht hätten.

Die Antwort auf diese Frage kann man seit dem 21. August auf der Internetseite des Niederländischen Sicherheitsrates nachlesen. Die Daten des Flugschreibers und die Sprachaufzeichnungen seien nach den Regeln des Sicherheitsrates und der ICAO geschützt, heißt es dort. Nur solche Informationen, die für die Ermittlung der Absturzursache relevant seien, würden im Abschlussbericht veröffentlicht.

Lawrow beschuldigte die Niederländer auch, die Ermittlungen vor Ort nicht ernsthaft genug betrieben zu haben und fragte, warum sie das Gebiet überhaupt verlassen hätten. Der Niederländische Sicherheitsrat räumte ein, bisher keine eigenen Ermittlungen am Ort des Absturzes  durchgeführt zu haben. Dies sei nicht möglich gewesen, weil die Sicherheit der Ermittler nicht garantiert werden könne. Es habe überhaupt nur sehr wenige Gelegenheiten für Zugang zum Absturzort gegeben. Dabei sei die absolute Priorität auf die Bergung der Opfer gelegt worden.

Ermittler sollen abermals an Absturzstelle untersuchen

Noch immer werden Teile der Opfer auf dem weitläufigen Gelände vermutet, auf dem sich nach der Explosion der Boeing die Trümmer verteilten. Australien und Malaysia wollen nach den Nachrichten über eine Waffenruhe nun abermals Ermittler an die Absturzstelle schicken, die nach Leichen suchen sollen. Dies vereinbarten der australische Ministerpräsident Tony Abbott und sein malaysischer Amtskollege Najib Razak an diesem Samstag.

Auch der niederländische Sicherheitsrat hatte angekündigt, vor Ort nach weiteren Spuren und Hinweisen suchen zu wollen, sobald dies möglich sei. Eine Untersuchung an Ort und Stelle sei vorzuziehen, heißt es. Es sei aber „nicht unmöglich“, eine effektive Untersuchung auf der Basis anderer Quellen durchzuführen. Als Quellen nannten die Niederländer neben den Daten der  Blackbox auch Radar-  und Satellitenaufnahmen sowie andere Bilder. Auf die Anfrage einer niederländischen Abgeordneten antwortete das Kabinett in den Haag im August schriftlich, es gebe keine maßgeblichen Probleme bei der Beschaffung von Informationen im Falle MH17. Die Ukraine und auch Russland beteiligten sich an der Untersuchung.

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