https://www.faz.net/-gpf-8gsyl

Eritreer in Deutschland : Von wegen Freiheit

Auch im Ausland werden Eritreer vom Regime kontrolliert. Bild: Thomas Fuchs

Bis nach Deutschland reichen die Fesseln des eritreischen Regimes. Wer hier lebt, der bleibt trotzdem in Geiselhaft. Einblick in eine Parallelwelt, aus unserem F+Archiv.

          6 Min.

          Eritrea beginnt hinter den Gleisen. In der Ottostraße in Frankfurt reihen sich eritreische Bars und Restaurants aneinander, die Türen vergittert, die Fenster verrammelt. Davor stehen Jugendliche und rauchen. Drinnen hocken sie in vernebelten Räumen, trinken Tee mit Zitrone, sprechen über Alltägliches, amüsieren sich. Frei aber sind sie nicht. Denn der lange Arm der Militärdiktatur reicht selbst bis hierhin. Auch in Deutschland stehen Eritreer unter Beobachtung, auch in Deutschland werden sie kontrolliert und schikaniert. Es ist ein blickdichtes System, gut geschützt gegen Neugier von außen. Kaum einer spricht offen darüber. Wer etwas gegen Machthaber Isayas Afewerki oder das Regime sagt, gerät nicht nur selbst in die Schusslinie, sondern muss auch befürchten, dass seine Verwandten in der Heimat verfolgt werden. So schweigen die meisten lieber. Inmitten des Bahnhofsviertels und seiner Zerstreuung hat sich die Angst eingenistet.

          Morten Freidel
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

          Anbessa, 49 Jahre alt, redet trotzdem. Er kann es sich eher leisten, Eritrea zu kritisieren, denn die meisten seiner Verwandten haben das Land inzwischen verlassen. Anbessa trägt Kinnbart, eine beige Jacke und ein beiges Käppi, er sieht aus wie ein gealterter Revolutionär. Seit 1986 lebt er in Deutschland. In den Wirren der eritreischen Befreiungskämpfe floh er in den Sudan und von dort weiter mit dem Flugzeug. Als Anbessa anfängt zu sprechen, wird es an den Nachbartischen des Cafés still. Alle hören mit. Ihn stört das nicht; er kommt gleich zur Sache. Sein wichtigster Kritikpunkt am Regime: die „Aufbausteuer“.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Norbert Walter-Borjans am Montag in Berlin

          Wer bildet die Regierung? : Die SPD lockt die Liberalen mit Drohungen

          Die Führung der SPD sucht mit merkwürdigen Methoden nach einem Partner. Gegenüber der FDP und ihrem Vorsitzenden wird sie geradezu beleidigend. Deren Vorstellungen seien „Voodoo-Ökonomie“, sagt Norbert Walter-Borjans.
          Armin Laschet und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Montag in Berlin

          Laschet und die Union : Der Kandidat, der enttäuschte

          Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis muss der CDU-Vorsitzende Armin Laschet die Parteifreunde besänftigen. Vom zweiten Platz aus versucht die Union, eine Regierungsperspektive zu behalten.
          Vielen Dank für die Blumen: Olaf Scholz am Montag im Willy-Brandt-Haus.

          Gespräche mit der FDP : Scholz’ erstes Machtwort

          Die SPD-Spitze versucht, die FDP gefügig zu machen – doch der Kanzlerkandidat macht deutlich: Sein Stil ist das nicht. Olaf Scholz spricht lieber von Freunden.