https://www.faz.net/-gpf-9fwc7

Vor Corona : Das Erschießungshaus

In diesem Haus sollen unter Stalin Tausende Menschen hingerichtet worden sein – auch der Vater von Alexej Georgijewitsch Nesterenko. Bild: Efim Bronkhman/Whitenightpress

Ein Mann kämpft im Herzen Moskaus seit sieben Jahren gegen das Vergessen – bei Wind und Wetter. Erst die Corona-Pandemie stoppte ihn. Reportage über einen, der nicht aufgibt, aus dem Jahr 2018.

          6 Min.

          Die Nikolskaja Uliza im Zentrum von Moskau ist eine besondere Straße. Sie führt vom Roten Platz auf die Lubjanka zu, eine orangebraune Trutzburg am gleichnamigen Platz, die Zentrale des russischen Geheimdienstes – heute FSB, zu Sowjetzeiten KGB. Die Nikolskaja Uliza ist eine Fußgängerzone, und was für eine: Hier zeigt die Stadt sich so mondän, schick und sauber, wie sie gesehen werden will von den flanierenden Touristenscharen. Sie wird das ganze Jahr über geschmückt mit kunstvoll drapierten Leuchtdioden oder Skulpturen aus künstlichen Blumen. In den vorrevolutionären Häusern sind Geschäfte, Cafés und Bars untergebracht, einige Fassaden werden noch renoviert.

          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Auch das Haus Nummer 23 ist von einer Plane verhüllt. Davor steht eine Bank, auf ihr Bücher, Plakate, laminierte Zettel. Ein Mann steht daneben, klein und hager, der Kopf fast kahl. Das ist Alexej Georgijewitsch Nesterenko, 81 Jahre alt. Jeden Mittwoch steht er hier, seit sieben Jahren, bei jedem Wetter, und redet sich die Seele aus dem Leib. Das heißt, wenn jemand hören will, was er zu sagen hat, und das sind nicht allzu viele.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Ehen ohne Vertrag sind wie Autofahrten ohne Sicherheitsgurt, sagt Volker Looman.

          Finanzen in der Ehe : Männer sind die schlechteste Altersvorsorge

          So wunderschön die Ehe sein kann, so schnell kann sie auch vergehen. Gerade gut verdienenden Akademikern ist deshalb zu finanzieller Eigenständigkeit geraten. Dabei hilft unter anderem ein Ehevertrag.