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Erinnerung an Stalin-Opfer : Das Erschießungshaus

In diesem Haus wurde unter Stalin Tausende Menschen hingerichtet - auch der Vater von Alexej Georgijewitsch Nesterenko. Bild: Efim Bronkhman/Whitenightpress

Ein Mann kämpft im Herzen Moskaus seit sieben Jahren gegen das Vergessen – bei Wind und Wetter. Über einen, der nicht aufgibt.

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          Die Nikolskaja Uliza im Zentrum von Moskau ist eine besondere Straße. Sie führt vom Roten Platz auf die Lubjanka zu, eine orangebraune Trutzburg am gleichnamigen Platz, die Zentrale des russischen Geheimdienstes – heute FSB, zu Sowjetzeiten KGB. Die Nikolskaja Uliza ist eine Fußgängerzone, und was für eine: Hier zeigt die Stadt sich so mondän, schick und sauber, wie sie gesehen werden will von den flanierenden Touristenscharen. Sie wird das ganze Jahr über geschmückt mit kunstvoll drapierten Leuchtdioden oder Skulpturen aus künstlichen Blumen. In den vorrevolutionären Häusern sind Geschäfte, Cafés und Bars untergebracht, einige Fassaden werden noch renoviert.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Auch das Haus Nummer 23 ist von einer Plane verhüllt. Davor steht eine Bank, auf ihr Bücher, Plakate, laminierte Zettel. Ein Mann steht daneben, klein und hager, der Kopf fast kahl. Das ist Alexej Georgijewitsch Nesterenko, 81 Jahre alt. Jeden Mittwoch steht er hier, seit sieben Jahren, bei jedem Wetter, und redet sich die Seele aus dem Leib. Das heißt, wenn jemand hören will, was er zu sagen hat, und das sind nicht allzu viele.

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