https://www.faz.net/-gpf-z47v

Erika Steinbach : Ein Handkuss für die Bestie

Das Medienaufkommen war groß, die Demonstrationen gegen die in Polen ungeliebte Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, hielten sich jedoch in Grenzen Bild: dpa

Als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen reist Erika Steinbach durch Polen - das Land, in dem sie mit Inbrunst gefürchtet und abgelehnt wird. Dennoch kommt es kaum zu Demonstrationen. Steinbach erlebt eine auffällig unauffällige Polen-Reise.

          4 Min.

          Schlüssel klirren, ein Kirchendiener öffnet für eine Sekunde die hohe Gittertür, eine hochgewachsene, blonde Dame schlüpft ins Innere, verschwindet zwischen Pfeilern, ist schon außer Sicht. Die Dame ist Erika Steinbach, die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Schloss, Tür und Diener gehören zur Seemannskirche des Heiligen Petrus in Gdingen. Erika Steinbach, die Frau, die in Warschau selbst Gentlemen alter Schule und hohe Regierungsvertreter als „Blonde Bestie“ umschreiben, ist am Sonntag und Montag durch Polen gereist – das Land, in dem sie mit Inbrunst gefürchtet und abgelehnt wird, und wo ganze Karrieren auf dem Kampf gegen die „deutsche Gefahr“ gegründet wurden, welche sie aus hiesiger Sicht verkörpert.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Als die Nachricht von ihrem Nahen in Gdingen eintraf – der Hafenstadt nördlich von Danzig, aus der die deutschen Besatzer zu Beginn des Zweiten Weltkriegs beinahe die gesamte polnische Einwohnerschaft vertrieben hatten, um das vorgeblich deutsche „Gotenhafen“ an die Stelle des polnischen „Gdynia“ treten zu lassen –, schienen die Türen der Seemannskirche des Heiligen Petrus zuerst krachend ins Schloss zu fallen. Erika Steinbach hatte angekündigt, sie wolle in dieser Kirche die Gedenktafeln für die Flüchtlingsschiffe „Wilhelm Gustloff“, „Goya“ und „Steuben“ besuchen, die 1945 mit zusammen mehr als 10.000 Menschen an Bord von sowjetischen U-Booten versenkt worden waren. Doch aus dem Redemptoristenorden, der die Kirche betreibt, erfuhr die polnische Presse früh, man denke nicht daran, dieser Frau, die zwischen Ostsee und Karpaten als Symbol des „deutschen Revanchismus“ gilt, Einlass zu gewähren.

          Nicht mehr als sieben Demonstranten

          Der Besuch der Vertriebenenpolitikerin und menschenrechtspolitischen Sprecherin der CDU/CSU Bundestagsfraktion stand damit zunächst unter einem schlechten Stern. Seit Erika Steinbach im Jahr 1990 als Bundestagsabgeordnete gegen die Anerkennung der Oder-Neiße Grenze stimmte, schien Polen jede Gelegenheit wahrzunehmen, seine schlechte Meinung über sie zu festigen. Äußerungen aus ihrem Munde, die als Relativierung der deutschen Kriegsschuld gedeutet werden konnten, wurden unerbittlich memoriert, Gesten der Versöhnung, die von ihr kamen, als Ausdruck mutmaßlicher Verlogenheit ignoriert. Dass die Redemptoristen, die in Polen vor allem mit dem nationalklerikalen Sender „Radio Maryja“ in Verbindung gebracht werden, ihr die Kirchentüren vor der Nase zuschlagen würden, überraschte zunächst niemanden. Erika Steinbachs Polenreise schien zum Eklat verurteilt.

          „Gewisse Deutsche”: Erika Steinbach vor dem Sitz der deutschen Minderheit in Danzig

          Es ist dann anders gekommen. Als die Frau, die vor Jahren noch auf polnischen Zeitschriftentiteln in SS-Uniform dargestellt wurde, am Sonntagabend auf dem Danziger Flughafen landete, betrug die Anzahl der Demonstranten null. Als sie etwas später in einer lauschigen Nebenstraße der alten Hansestadt den Sitz der deutschen Minderheit besuchte, protestierten dagegen nicht mehr als sieben Männer, wenn auch die Menge dem Abend zu auf etwa elf anwuchs, da mehreren alten Damen beim Ausführen ihrer Hunde offenbar ihre patriotischen Pflichten in den Sinn kamen, worauf sie sich dem Trupp der Vaterlandsverteidiger anschlossen.

          Weitere Themen

          Scheitert die Klimakonferenz?

          Ringen um Abschlusspapier : Scheitert die Klimakonferenz?

          Es geht um die Absichtserklärung für mehr Klimaschutz: Die fast 200 Staaten können sich nicht einigen. Die Verhandlungen, die Freitag enden sollten, gehen in die zweite Nacht.

          Topmeldungen

          Ringen um Abschlusspapier : Scheitert die Klimakonferenz?

          Es geht um die Absichtserklärung für mehr Klimaschutz: Die fast 200 Staaten können sich nicht einigen. Die Verhandlungen, die Freitag enden sollten, gehen in die zweite Nacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.