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Ministerrücktritt in Ankara : Wie Trumps Abwahl Erdogans Schwiegersohn das Amt kostete

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (rechts) und der türkische Finanzminister Berat Albayrak im August 2018 Bild: dpa

Präsident Erdogan hielt lange seine schützende Hand über seinen Schwiegersohn Berat Albayrak – selbst nachdem dem unpopulären Finanzminister eine Affäre nachgesagt wurde. Doch mit Trumps Abwahl hat sich das geändert.

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          Als Innenminister Süleyman Soylu im April wegen Fehlern bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie seinen Rücktritt angeboten hatte, waren in nur wenigen Minuten Tausende seiner Anhänger auf der Straße. Es half. Präsident Recep Tayyip Erdogan nahm Soylus Rücktritt nicht an, und der kehrte gestärkt ins Kabinett zurück. Schließlich brauchen Erdogan und die AKP Soylu, da er den nationalistischen Flügel abdeckt und für Law and Order steht. Als am Sonntagabend Soylus Widersacher im Kabinett, Finanzminister Berat Albayrak, seinen Rücktritt anbot, ging niemand aus Solidarität auf die Straße. Es rührten sich aber viele Finger. Noch am selben Abend zählten Türken in den sozialen Medien, in denen sein Rücktrittsersuchen kursierte, mehr als 600.000 Likes.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Für den unpopulärsten Minister im Kabinett Erdogan hat sich niemand starkgemacht, obwohl er der Schwiegersohn des Präsidenten ist. Denn Albayrak ist, anders als Soylu, eine Hypothek geworden. Möglicherweise wurden Erdogan und das Präsidialamt am Sonntagabend kalt erwischt. Eigentlich hätte Erdogan bei einem AKP-Kongress in der Provinz Kocaeli sprechen sollen.

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