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Erdogans Libyen-Pläne : Ordnung an der Peripherie stiften

Will der Türkei als Regionalmacht Geltung verschaffen: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Bild: dpa

Erdogans Pläne, die libysche Regierung militärisch zu unterstützen, sollten den Europäern zu denken geben: Wenn sie nicht – wie in Syrien – mittelbar Leidtragender des Eingreifens anderer sein wollen, müssen sie handeln.

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          Der türkische Präsident Erdogan schärft das regionale Profil seines Landes. In wenigen Tagen soll ihm das Parlament den Segen für sein Vorhaben geben, die von den UN anerkannte Regierung in Libyen in deren (Abwehr-)Kampf gegen den Milizenführer Haftar militärisch zu unterstützen. Der kontrolliert den Osten des Landes und stützt sich seinerseits auf Ägypten, die Emirate – und auf Russland.

          Das schon zeigt, dass die türkisch-russische Zusammenarbeit in Syrien begrenzter Natur ist. Es geht der Türkei allein darum, sich als Regionalmacht Geltung zu verschaffen.

          Das wiederum sollte den Europäern zu denken geben. Die Verhältnisse in Libyen sind chaotisch; islamistische Terrorgruppen treiben im Sahel ihr Unwesen. Solange Libyen nicht zur Ruhe kommt, gibt es auch wenig Aussichten, dass die dschihadistischen Gruppen in angrenzenden Ländern ausgeschaltet werden.

          Italien, Malta und Griechenland sind, geographisch betrachtet, viel engere Nachbarn zu Libyen als die Türkei. Ja, die Intervention, die 2011 zum Sturz des Diktators Gaddafi führte, hat dem Land keinen Frieden gebracht; was Grund dafür ist, dass es in der afrikanischen Wanderungskette eine große Rolle spielt(e).

          An Bekundungen der EU fehlt es nicht, Ordnung an ihrer Peripherie zu stiften. Aber zwischen Wort und Tat klafft noch immer eine große Lücke. Das muss sich ändern, will „Europa“ nicht wieder, wie in Syrien, mittelbar Leidtragender des Eingreifens anderer Mächte sein.

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