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Russisches Raketenabwehrsystem : Erdogans Interessen

  • -Aktualisiert am

Wusste, worauf er sich mit dem Kauf eines russischen Raketenabwehrsystems einließ: Der türkische Präsident Erdogan Bild: AFP

Erdogan hat den Ausschluss aus dem F-35-Programm in erster Linie selbst zu verantworten. Er wusste, auf was er sich mit dem Kauf der russischen S-400 einlässt. Der Schaden geht allerdings weit über die Jobs hinaus, die Trump jetzt gefährdet sieht.

          Nur der türkische Präsident könnte sagen, ob etwas an dem Gerücht dran ist, dass er sich für ein russisches Raketenabwehrsystem entschieden habe, weil er seit dem Putschversuch vor drei Jahren Angst vor der eigenen Luftwaffe hat. Die hat amerikanische Flugzeuge, weshalb ein amerikanisches System Erdogans Palast im Zweifelsfall nicht schützen würde. Ein mögliches Motiv ist das, aber es klingt doch ein wenig unrealistisch. Immerhin hat Erdogan die Armee radikal gesäubert. Muss er da wirklich noch Angst vor seinen Generälen haben?

          Ein Blick auf die geopolitische Karte liefert auch brauchbare Erklärungen für das ungewöhnliche Verhalten eines Landes, das formal immer noch ein Verbündeter des Westens ist. Die sowjetische Bedrohung, vor der die Türkei einst Schutz in der Nato suchte, gibt es so nicht mehr; zwischen der türkischen und der russischen Grenze gibt es heute drei Pufferstaaten.

          Die Schnittmenge an gemeinsamen Interessen ist geschrumpft

          In Arabien, worauf Erdogans Hauptaugenmerk liegt, steht der Großteil des Westens, allen voran Amerika, auf der Seite Saudi-Arabiens und Israels, während die Türkei islamistische Kräfte unterstützt. Und völlig isoliert ist Ankara in der Kurdenfrage, denn niemand im Westen stimmt der gezielten Unterdrückung dieser Volksgruppe zu, sei es in der Türkei oder in Syrien; für Amerika waren die Kurden sogar der wichtigste Partner im Kampf gegen den „Islamischen Staat“.

          All das lässt die Schnittmenge an geteilten Interessen im Vergleich zum Kalten Krieg gewaltig schrumpfen. Die Türkei ist noch dem Namen nach ein Mitglied der westlichen Allianz, in ihrer strategischen und weltanschaulichen Ausrichtung aber immer weniger.

          Kein Zweifel kann daran bestehen, dass Erdogan wusste, auf was er sich mit dem Kauf der russischen S-400 einlässt. Seit vielen Jahren wird darüber debattiert, welches Flugabwehrsystem die Türkei anschaffen solle. Die Türken kannten die Vorbehalte der Verbündeten genau. Und diese sind berechtigt: Ein System, das Russland Informationen über westliche Waffentechnik verschaffen kann, sollte ein Nato-Mitglied nicht erwerben.

          Erdogan hat den Ausschluss aus dem F-35-Programm deshalb in erster Linie selbst zu verantworten. Der Schaden geht allerdings weit über die Jobs hinaus, die Trump jetzt gefährdet sieht. Die Nato wird an ihrer so immens wichtigen Südflanke von Putin ausgestochen.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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