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In der Türkei im Gefängnis : Erdogan fordert Gerichtskleidung für mutmaßliche Putschisten

  • Aktualisiert am

Der türkische Präsident Erdogan spricht in Malatya zu seinen Unterstützern. Bild: dpa

Der türkische Präsident will für Putsch- und Terrorverdächtige eine Gefängniskleidung nach dem Vorbild von Guantanamo einführen. Derweil werden neue Details zu der in Istanbul inhaftierten deutschen Journalistin bekannt.

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          Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat abermals einheitliche Gerichtskleidung für alle des Terrorismus angeklagten Untersuchungshäftlinge angekündigt. Mutmaßliche Putschisten müssten in Zukunft in braunen Overalls vor Gericht erscheinen, sagte Erdogan laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag vor Anhängern der AKP im ostanatolischen Malatya.

          Alle anderen Terrorverdächtigen müssten im Gerichtssaal braune Hosen und Jacketts tragen. „Ab jetzt können sie nicht einfach kommen und anziehen, was sie wollen. Auf diese Weise werden sie der ganzen Welt bekannt gemacht“, erklärte Erdogan. Er beschrieb die geplanten Uniformen als „mandelfarbig“.

          Bereits im Juli hatte Erdogan Uniformen ähnlich derer der Insassen im amerikanischen Gefangenenlager in Guantanamo für Putsch- und Terrorverdächtige in der Türkei angekündigt, wenn sie vor Gericht erscheinen. Auslöser war ein Untersuchungshäftling, der unter Putschverdacht stand und in einem T-Shirt mit der englischen Aufschrift „Hero“ (deutsch: „Held“) vor Gericht antrat. Im ganzen Land waren daraufhin mehrere Menschen, die T-Shirts mit der Aufschrift „Hero“ trugen, festgenommen worden.

          Mesale Tolu drohen offenbar 15 Jahre Haft

          Am Sonntag wurde außerdem bekannt, dass der in der Türkei inhaftierten deutschen Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu offenbar 15 Jahre Haft drohen. Die linke Nachrichtenagentur ETHA berichtete, ein Staatsanwalt habe für Tolu am Freitag 15 Jahre Gefängnis wegen „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ gefordert. Der Mutter eines zweijährigen Kindes, die seit Ende April in Istanbul in Haft sitzt, wird Mitgliedschaft in der verbotenen linksextremen Marxistisch-leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) vorgeworfen.

          Dem Bericht zufolge soll der Prozess gegen Tolu und 17 weitere Verdächtige am 11. und 12. Oktober in Istanbul beginnen. Tolu soll für ETHA als Übersetzerin gearbeitet haben. Sie war Ende April in ihrer Wohnung in Istanbul festgenommen worden. Ihr türkischer Ehemann war bereits Wochen zuvor inhaftiert worden. Obwohl ihr als deutscher Staatsbürgerin Zugang zu konsularischer Betreuung zusteht, erlangte das deutsche Konsulat in Istanbul erst nach langem Drängen Zugang zu ihr.

          Die Bundesregierung setzt sich mit Nachdruck für ihre Freilassung ein. Ihr Fall sowie die Inhaftierung des „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel sowie des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner belasten die deutsch-türkischen Beziehungen massiv. Yücel sitzt seit Mitte Februar in Gewahrsam, Steudtner wurde vor einem Monat während eines Seminars in Istanbul zusammen mit mehreren türkischen Menschenrechtlern festgenommen.

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