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Erdogan trifft Putin : Die Europäer liefern sich den Autokraten aus

Sind so stark, weil andere sich schwächer machen, als sie sind: Recep Erdogan und Wladimir Putin im Kreml. Bild: dpa

Die EU will die Sprache der Macht sprechen, kann es aber nicht. Über die Geschicke von Millionen entscheiden deshalb andere.

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          Es ist bitter, wenn die Interessen, Ziele und Kalküle Dritter die europäische Politik und das Wohlbefinden von Hunderttausenden, ja Millionen derart in Mitleidenschaft ziehen können, wie das in Syrien der Fall ist. Aber das ist die Realität. Und so ist das Treffen der Präsidenten Russlands und der Türkei, Putin und Erdogan, viel wichtiger als alles, was anderen Akteuren zur Stabilisierung einfällt.

          Wenn Putin und Erdogan sich einigen können, beruhigt sich die Lage, lässt der Druck auf die Zivilbevölkerung nach, wenn nicht, geht deren Leiden weiter. Dass die Europäer nicht mehr als Appelle an die Hauptprotagonisten richten können, daran hat man sich gewöhnt. Auch das ist bitter. Man will die Sprache der Macht sprechen, kann es aber nicht. Über die Geschicke von Millionen entscheiden Autokraten.

          Der eine, Putin, sagt dem anderen, Erdogan, es sei ein Versehen gewesen, dass neulich Dutzende türkische Soldaten bei einem syrischen Luftangriff getötet wurden. Die Syrer hätten deren Standorte nicht gekannt. Das kann man glauben oder auch nicht; Erdogan glaubt es nicht. Unzählige Fälle sind bekannt, dass die UN die Koordinaten ziviler Einrichtungen an russische Stellen weitergegeben hat, die dann in Schutt und Asche gelegt wurden.

          Die Syrien-Katastrophe lehrt unter anderem das: Wenn es eine humane Ordnung in unserer Nachbarschaft geben, wenn Unordnung unser politisches Leben nicht aus den Angeln heben soll, dann muss man selbst dafür Sorge tragen, politisch, finanziell, militärisch.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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