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Hinweise auf Mord : Pompeos Krisentreffen in Saudi-Arabien

  • Aktualisiert am

Der Tatort eines Mordes? Das saudische Konsulat in Istanbul Bild: dpa

Ermittler haben die saudische Botschaft in Istanbul durchsucht – um herauszufinden, was mit dem Journalisten Khashoggi passiert ist. Und sie wurden offenbar fündig. Der amerikanische Außenminister schlägt derweil versöhnliche Töne an.

          Nach dem Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi wächst international der Druck auf Saudi-Arabien, Licht in den mysteriösen Fall zu bringen. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo kam am Dienstag in der saudischen Hauptstadt Riad mit König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman zu Krisentreffen zusammen. Pompeo schlug aber auffallend sanfte Töne an. Türkische und saudische Ermittler schlossen zugleich eine neunstündige Durchsuchung des saudischen Konsulats in Istanbul ab und begannen am Abend eine Suche im Privathaus des Konsuls. Der war türkischen Medien zufolge kurz zuvor nach Saudi-Arabien abgereist.

          Pompeo habe dem saudischen König für die starke Partnerschaft mit den USA und für dessen Einsatz für eine gründliche, transparente und schnelle Aufklärung im Fall Khashoggi gedankt, teilte das amerikanische Außenministerium mit. Nach dem Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman – kurz „MbS“ genannt, der eine zentrale Rolle in der Führung des Landes spielt – hieß es, Pompeo habe die Sorge des Präsidenten über Khashoggis Verschwinden übermittelt, und dessen Wunsch nach Aufklärung.

          Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach nach der Durchsuchung des saudischen Konsulats von ersten Hinweisen auf einen möglichen Mord an Khashoggi. Man schaue sich mögliche Spuren „giftiger Substanzen“ genauer an, sagte er am Dienstag. Diese seien überstrichen worden. Er hoffe auf Ergebnisse, die helfen würden, sich eine Meinung zu bilden. Die Ermittler arbeiteten intensiv daran, herauszufinden, was genau im Konsulat passiert sei.

          Nach Medienberichten hatten Ermittler unter anderem Proben aus dem Garten des Konsulats mitgenommen. Außerdem seien zwei Müllwagen der Gemeinde ins Konsulat gefahren – weshalb, blieb zunächst unklar. Die regierungsnahe türkische Zeitung „Sabah“ berichtete, das Gelände sei zudem mit Hunden abgesucht worden.

          Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte in einer Pressekonferenz, Konsulate sollten nicht als Orte für Verhöre dienen. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando verhört, gefoltert und getötet wurde, nachdem er das Konsulat am 2. Oktober betreten hatte, um Papiere für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten im Konsulat in Istanbul abzuholen.

          Für das Weiße Haus steht viel auf dem Spiel

          Für das Weiße Haus steht in dieser Affäre viel auf dem Spiel, da sich Trump in seiner Nahost-Politik sehr stark auf das sunnitische Saudi-Arabien stützt. Seit Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten hat sich das zuvor abgekühlte Verhältnis zwischen den beiden Partnern deutlich verbessert. Die USA und Saudi-Arabien sehen vor allem im schiitischen Iran einen gemeinsamen Feind, den sie Hand in Hand bekämpfen wollen. Die allererste Auslandsreise führte Trump im Mai 2017 nach Riad, wo ihm die saudische Führung einen fulminanten Empfang bereitete.

          Dort verkündete der Präsident auch einen 110 Milliarden Dollar schweren Rüstungsdeal mit dem islamisch-konservativen Königreich. Trump will dieses Geschäft nicht gefährden, um „keinen Jobs zu schaden“. Er verschärfte seinen Ton gegenüber Riad und fordert Antworten auf offene Fragen – will aber offensichtlich dennoch die guten Beziehungen zur Führung in Riad nicht aufs Spiel setzen. Trump äußerte die Vermutung, dass es sich möglicherweise nicht um ein staatlich beauftragtes Mörderkommandos gehandelt habe.

          Parallel zu Pompeos Riad-Besuch reagierte der amerikanische Präsident auch auf Berichte über finanzielle Verbindungen des Trump-Konzerns mit Saudi-Arabien. Er habe keinerlei finanzielle Interessen mit Blick auf das Land, schrieb Trump. Das alles sei nichts als „fake news“.

          Im Fokus der Affäre um den verschwundenen Journalisten Khashoggi: der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman.

          Die Aufmerksamkeit richtet sich in der Affäre insbesondere auf den saudischen Kronprinzen. Der 33 Jahre alte Enkel des Königs ist der starke Mann des Landes und gilt als künftiger Herrscher. Während er einerseits Reformen vorantreibt und das Land gesellschaftlich liberalisiert, geht er mit härtester Hand gegen Kritiker vor. Auch Khashoggi kritisierte, dass die Führung in Riad zunehmend autoritärer wird. Enge Beziehungen pflegt MbS zu Trumps Schwiegersohn und Nahost-Beauftragtem Jared Kushner.

          Zugleich ist das Verhältnis zwischen der Türkei und Saudi-Arabien angespannt. Die Regierung in Ankara ging zwar diskret mit ihren Erkenntnissen um, lässt aber Informationen über den angeblichen Mord scheibchenweise und über anonyme Zeugen an die amerikanische Regierung und Medien weitergegeben. Wieso, dazu gibt es vielfältige Vermutungen.

          In der derzeitigen verzweifelten wirtschaftliche Lage könnte die Türkei darauf hoffen, dass der reiche Ölstaat Saudi-Arabien dem Land mit Investitionen hilft. Manche Beobachter mutmaßen, die Türkei fürchte, es sich mit Riad zu verscherzen. Noch immer ist unklar, aus welcher Quelle Informationen zu dem angeblichen Mord durchsickern. Mehrfach tauchte die Vermutung auf, die Türkei könnte das Konsulat verwanzt haben. Das brächte die Regierung dann nicht nur gegenüber der saudischen Regierung in Schwierigkeiten.

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) machte sich in der Affäre um den verschwundenen Khashoggi am Dienstag für eine internationale Abstimmung stark. Auch mit den Vereinigten Staaten suche er engen Kontakt, sagte Maas nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Jean-Yves Le Drian in Paris.

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