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Erdogan in Ludwigshafen : Lob für deutsche Polizei und Feuerwehr

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat den Ort der Brandkatastrophe in Ludwigshafen besucht. In seiner Rede rief er Medien und Trauernde zur Mäßigung auf. „Unsere Trauer soll eine stille Trauer sein“, sagte Erdogan.

          Bundesinnenminister Schäuble (CDU), der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck und andere führende deutsche Politiker sowie der türkische Ministerpräsident Erdogan haben Deutsche und Türken nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen zur Besonnenheit aufgerufen. Erdogan besuchte am Donnerstagnachmittag den Brandort. Bei dem Brand waren neun Türken getötet worden. Begleitet wurde Erdogan von türkischen Regierungsmitgliedern, der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, Oberbürgermeisterin Eva Lohse und von Beck, der ihn vor der Trauerkundgebung durch die ausgebrannte Ruine führte.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Erdogan sagte, Deutsche und Türken sollten die Tragödie von Ludwigshafen als Chance „für einen neuen Beginn für einen neuen Frieden“ begreifen. Deutsche und Türken hätten eine unterschiedliche Religion, sprächen eine unterschiedliche Sprache, seien Mitglieder unterschiedliche Nationen. „Trotzdem“, sagte Erdogan: „Wir sind alle Menschen“, die alle an einen Gott glaubten, der sich als Schöpfer in den Menschen wiederfinde. Er sagte: „Lassen Sie uns alle helfen, die Freundschaft zu Deutschland zu stärken.“ Die Türken in Deutschland verstünden sich als „Botschafter einer Zivilisation des Friedens“. Erdogan lobte die deutsche Polizei und die Feuerwehr. Sie hätten alles in ihrer Macht stehende getan, um zu helfen. Es sei „unsere Hoffnung und unser Wunsch, dass die Ermittlungen schnell und sorgfältig“ abgeschlossen werden.

          Lob an Polizei und Feuerwehr

          Der Schmerz der Türken sei groß, sagte Erdogan, „ich möchte aber unterstreichen, dass wenn es das große Engagement der Polizei und der Feuerwehr nicht gegeben hätte, der Schmerz noch viel größer wäre“. Die türkischen und die deutschen Medien rief Erdogan dazu auf, durch ihre Berichterstattung die Freundschaft zwischen der Türkei und der Bundesrepublik nicht zu gefährden. Vor seinem Abflug in Ankara hatte er die Zusammenarbeit zwischen den deutschen Behörden und den vier türkischen Ermittlern gelobt: Es gebe keine Schwierigkeiten. Die Türkei trage Verantwortung für die Türken, die im Ausland lebten. Daher verfolge man die Entwicklungen sehr genau. Er lehne Fremdenfeindlichkeit ab - in Deutschland wie in der Türkei.

          Der türkische Ministerpräsident Erdogan dankt der deutschen Polizei

          Die Politiker wurden in Ludwigshafen von etwa 2000, zumeist türkischstämmigen Schaulustigen und Demonstranten erwartet, die Plakate hochhielten, auf denen „Gestern Juden, heute Moslems“, „Hitler war nicht alleine, Koch auch nicht“ oder „Gestern Solingen, heute Ludwigshafen, morgen?“ stand. Mehrere dieser Transparente wurden wieder eingerollt.

          Die Ermittlungsbehörden schlossen weiterhin sowohl einen technischen Defekt als auch Brandstiftung nicht aus. In der Türkei war darüber spekuliert worden, dass die Katastrophe einen ausländerfeindlichen Hintergrund haben könnte. Als Indizien dafür gelten die Aussagen von zwei Mädchen, die einen Mann am Tatort beobachtet haben wollen. Der SWR-Intendant Boudgoust gab unterdessen bekannt, dass die Ausstrahlung eines „Tatorts“ aus Ludwigshafen zum Thema Ehrenmord verschoben werde.

          „Keine Nachhilfe von der Politik“

          Boudgoust kritisierte zugleich die Forderungen von Politikern nach einer Absetzung des Films. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck (SPD) und die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) hatten dem Sender nahegelegt, den „Tatort“ nicht an diesem Sonntag auszustrahlen. Dazu sagte Boudgoust: „Wir sind uns unserer eigenen Verantwortung bewusst und brauchen in Sachen Pietät keine Nachhilfe von der Politik.“

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