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Nach Iran-Kritik : Erdogan besucht Teheran und kommt ins Geschäft

Distanz und Annäherung in Teheran: Der türkische Staatspräsident Tayyip Erdogan und Irans Präsident Hassan Rohani Bild: AP

Wenige Tage nach dem Durchbruch im Streit über das iranische Atomprogramm haben der türkische Präsident und der iranische Präsident Hassan Rohani in Teheran vereinbart, den Handel zwischen den beiden Ländern zu verstärken.

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          Der türkische Staatspräsident Tayyip Erdogan will bei seinem Besuch in Teheran die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen ausbauen und zur Verringerung der Spannungen in der Region beitragen. Der iranische Präsident Hassan Rohani begrüßte Erdogan, der von mehreren Ministern begleitet wird, am Dienstag am Flughafen, obwohl iranische Abgeordnete die Regierung aufgerufen hatten, den Besuch wegen Erdogans kritischer Äußerungen gegenüber Teheran abzusagen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Erdogan hatte am 26. März der Islamischen Republik vorgeworfen, sie wolle die Region dominieren. Das irritiere die Türken, Saudi-Arabien und die anderen Golfstaaten und sei nicht tolerierbar. Erdogan hatte die iranische Regierung zudem aufgefordert, ihre Truppen aus dem Jemen abzuziehen. Iran bestreitet, Soldaten in den Jemen entsandt zu haben und die dortige Houthi-Bewegung, die die Kontrolle über das Land übernommen hat, militärisch zu unterstützen.

          Irans Außenminister Mohammad Zarif riet Ankara, endlich wieder eine verantwortungsbewusste Politik zu führen, nachdem die hochfliegende Politik der vergangenen Jahre irreparablen Schaden angerichtet habe. Die Türkei unterstützt politisch die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz, die versucht, mit Luftangriffen den Vormarsch der Houthis zu stoppen.

          Es geht um Handel und Gas

          Der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci sagte, die Türkei wolle das bilaterale Handelsvolumen von derzeit 14 Milliarden Dollar in zwei Jahren auf 35 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Iran ist nach Russland der zweitwichtigste Gaslieferant für die Türkei und liefert jährlich zehn Milliarden Kubikmeter Gas. Die Türkei will als Transitland für Energie aber mehr Gas aus Iran, dem Irak und dem Kaspischen Becken beziehen, um es durch die Tanap genannte Gasleitung weiter in die EU zu liefern. Sobald die gegen Iran verhängten Sanktionen gelockert und aufgehoben werden, kann Iran, das über die zweitgrößten Gasvorkommen verfügt, seine Gasfelder South Pars ausbeuten und das Gas verkaufen.

          Erdogan soll während seines Aufenthalts in Teheran auch mit dem Obersten Führer Ali Chamenei sprechen. Erdogan hatte in der Vergangenheit Botschaften des Westens zum iranischen Atomprogramm an Chamenei überbracht. Möglicherweise wird er die Sorgen der arabischen Golfstaaten zur Rahmenvereinbarung über ein Atomabkommen von Lausanne zur Sprache bringen.

          Die politischen Gespräche konzentrierten sich auf den Krieg gegen den „Islamischen Staat“ in Syrien und im Irak sowie den Bürgerkrieg im Jemen, teilten beide Seiten mit. Bei beiden Themen vertreten Ankara und Teheran konträre Standpunkte. Die regierungsnahe türkische Zeitung „Sabah“ würdigte Erdogans Reise als „Wendepunkt“ in den Beziehungen mit Iran. Immerhin hatte Rohani dem Druck konservativer Abgeordneter nicht nachgegeben und Erdogans Besuch nicht abgesagt.

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