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Erdogan bei Putin : Russisch-türkische Friedensbemühungen

„Der Frieden in der Region hängt von den türkisch-russischen Beziehungen ab“, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan während eines Besuchs bei Wladimir Putin, dem Präsidenten Russlands. Bild: AP

Der türkische Präsident trifft in Sotschi Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Es geht um Syrien – und um Joe Biden, von dem sich Recep Tayyip Erdogan schlecht behandelt fühlt.

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          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat „gemeinsamen Schritten“ mit Russland in Syrien „große Bedeutung“ beigemessen. „Der Frieden in der Region hängt von den türkisch-russischen Beziehungen ab“, sagte Erdogan zu Beginn eines Gipfeltreffens mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in dessen Residenz in Sotschi am Schwarzen Meer am Mittwoch. Von konkreten Ergebnissen, besonders mit Blick auf die Lage in der nordwestsyrischen Provinz Idlib, wurde zunächst nichts bekannt.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Die Türkei hatte auf das erste Gipfeltreffen der beiden Präsidenten seit März 2020 gedrungen, um eine weitere Eskalation der Gewalt in Idlib abzuwenden. In den vergangenen Wochen hatten russische Kampfflugzeuge Stellungen protürkischer Milizen in der Provinz bombardiert und eine neue Fluchtwelle an die türkische Grenze ausgelöst. Ankara verstärkte daraufhin seine militärische Präsenz in Idlib. Die mehr als 1000 zusätzlichen Soldaten sollten ein Vorrücken der syrischen Armee am Boden verhindern, berichteten türkische Medien.

          Erdogan lobt Putin

          Am Montag hatte der syrische Außenminister Faisal Mikdad die Türkei und die Vereinigten Staaten aufgefordert, ihre Truppen aus dem Norden Syriens abzuziehen, wie es auch Moskau fordert. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar äußerte bei seinem letzten Besuch an der Grenze zu Syrien am 11. September, die Türkei werde keine weiteren Flüchtlingsströme tolerieren. Am Vorabend des Treffens von Putin und Erdogan forderte er Russland auf, sich wie die Türkei an die am 5. März 2020 ausgehandelte Waffenruhe für Idlib zu halten. Nicht Akar begleitete Erdogan nach Sotschi, sondern Geheimdienstchef Hakan Fidan.

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          Erdogans Treffen mit Putin fand eine Woche nach seiner Rückkehr aus New York statt, wo er vor der UN-Vollversammlung sprach. Auf dem Rückflug nach Ankara äußerte er sich enttäuscht darüber, dass ihn Präsident Joe Biden nicht empfangen habe. Nie sei seine Beziehung zu einem amerikanischen Präsidenten so schlecht gewesen, sagte er sinngemäß. Putin, lobte er, habe „gegenüber der Türkei nie einen Fehler“ gemacht.

          Ankara hatte kürzlich die Abhaltung von Wahlen auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim kritisiert und Unterstützung für die territoriale Integrität der Ukraine bekräftigt. „Über dieses Thema wird gewöhnlich nicht gesprochen“, sagte Putins Sprecher, Dmitrij Peskow, vor Beginn des Treffens. Für Russlands Präsidenten war die Begegnung in Sotschi die erste nach zwei Wochen „Selbstisolation“ nach Kontakt mit Corona-Infizierten. Putin lobte neben dem gemeinsamen Pipelineprojekt TurkStream das russische Corona-Vakzin Sputnik, mit dem er nach eigenen Angaben geimpft ist, und riet Erdogan am Ende des Treffens dazu, sich damit einer Auffrischungsimpfung zu unterziehen. Erdogan erwiderte, er habe schon eine solche Impfung erhalten. „Dann nächstes Mal“, sagte Putin.

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